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Gerade die freie Kulturszene könnte mehr staatliche Förderung gut gebrauchen - hier das Theater Willy Praml in Frankfurt.

Kulturförderung

Hessische Bürger wollen mehr Geld für Kultur

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Viele Hessen fordern mehr öffentliches Engagement bei Kunst und Kultur, zeigt eine Umfrage im Auftrag des Kulturfonds.

Die Menschen im Rhein-Main-Gebiet wollen, dass die öffentliche Hand Kunst und Kultur stärker fördert. Das geht aus der aktuellen Studie „Kulturbarometer 2019“ des Marktforschungsinstituts Dimap im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main hervor. Rund 2000 Teilnehmer aus der Region wurden gefragt: „Halten Sie Kunst und Kultur für eine Privatangelegenheit jedes Einzelnen - oder sollte die öffentliche Hand Kunst und Kultur stärker fördern?“ Achtzig Prozent der Befragten sahen die öffentliche Hand in der Pflicht.

„Der Wunsch in der Bevölkerung nach einer engagierten Kulturförderung wird zusehends stärker“, sagte Helmut Müller, der Geschäftsführer des Kulturfonds. Beim ersten Kulturbarometer im Jahr 2012 hatten nur 72 Prozent der Befragten eine größeres Engagement von Bund, Land, Städten und Kommunen gewünscht. „Kultur ist Teil der Daseinsvorsorge. Das sollte auch in den anstehenden Haushaltsberatungen eine Rolle spielen“, sagte Müller.

Ein weiteres Ergebnis der telefonischen Umfrage ist, dass Bürger bis zu 81 Minuten Anreise für den Besuch eines Konzerts in Kauf nehmen. Außerdem: Bei Konzerten, Theater, Literaturveranstaltungen und Ausstellungen ist Frankfurt besonders beliebt, gefolgt von Wiesbaden und Darmstadt. Das Buch steht bei der persönlichen Nutzung von Kulturangeboten demnach auf dem ersten Platz, danach folgen Kino, Konzerte und Ausstellungen.

Während die Älteren eher Radio und Fernsehen verfolgen, nutzen die Jüngeren verstärkt das Internet und soziale Medien. Informationen über Angebote beziehen die Befragten heutzutage seltener aus der Tageszeitung häufiger aus dem Internet. Bei Kultur denken laut Umfrage viele eher an Theater, Konzerte, Ausstellungen, weniger an Fernsehen und Internet. Insgesamt bewertete die Mehrheit das kulturelle Angebot in der Region als gerade richtig, weder zu viel noch zu wenig.

Befragt wurden exakt 2004 volljährige Bürgerinnen und Bürger aus der Region im Zeitraum vom 22. März bis 13. April. Es war das vierte Kulturbarometer seit 2012. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, sind die Fragen immer dieselben. Nicht gefragt wurde, ob die Bürger auch bereit wären, mehr Steuern zu zahlen, damit die öffentliche Hand zusätzliches Geld für Kultur ausgeben kann. Der Frage nach dem Engagement der öffentlichen Hand sollte keine Tendenz mitgegeben werden, welche die Antwort beeinflusst hätte, sagte Michael Mertes von Dimap auf Nachfrage. Würde die Frage nach der Zahlungsbereitschaft gestellt, fiele die Antwort vermutlich anders aus, sagte auch Kulturfonds-Geschäftsführer Müller.

Das Budget des Kulturfonds beträgt laut Müller rund sieben Millionen Euro im Jahr. Seit 2012 seien rund 500 Projekte gefördert worden.

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