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In der Ausbildung im Metallberuf ist Genauigkeit gefragt. 

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Hessen-Bündnis: „Ausbildung ist sexy“

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Hessens Landesregierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften werben bei jungen Leuten für berufliche Ausbildung. Al-Wazir sagt: Wer seine Ausbildung abschließt, kann immer noch studieren - auch ohne Abi.

Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium. Zwar ist auch die Zahl der Azubis gestiegen. Doch angesichts des Fachkräftemangels will ein breites Bündnis den Jugendlichen und Heranwachsenden die Ausbildung in Handwerk, Industrie- und Handelsberufen oder der Verwaltung noch schmackhafter machen.

„Wenn man eine berufliche Ausbildung abschließt, stehen einem im Berufsleben alle Wege offen“, warb Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitag in Wiesbaden. Dort unterzeichnete er mit Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Kommunen und der Agentur für Arbeit das „Bündnis Ausbildung Hessen“ für 2020 bis 2024. Es trägt auch die Unterschriften von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sowie den Staatssekretärinnen für Wissenschaft und Soziales, Ayse Asar und Anne Janz (beide Grüne).

Es sei viel zu wenig bekannt, wie durchlässig das Ausbildungssystem in Hessen bereits sei, sagte Al-Wazir. Wer seine Berufsausbildung mindestens mit der Note 2,5 abschließe, könne damit genauso studieren wie mit Abitur, erläuterte der Minister. „Das gibt es nirgendwo sonst.“

Vor fünf Jahren hatten die Partner ein erstes „Bündnis Ausbildung Hessen“ geschlossen. Es gelang zwar nicht, wie verabredet in jedem Jahr 1500 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Doch immerhin stieg die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge seit 2017 wieder an. Dies habe man wegen der „guten wirtschaftlichen Lage“ geschafft und weil durch die Flüchtlinge mehr Bewerber zur Verfügung gestanden hätten, schilderte Al-Wazir. Jetzt gehe es darum, „die Berufsausbildung noch hochwertiger und attraktiver auszugestalten“, heißt es in dem Papier.

In Ausbildung

38 370 Ausbildungsverträge wurden 2019 neu in Hessen abgeschlossen. Im Jahr davor waren es 38 226 gewesen, 2017 erst 37 725.

Seit 2017 sind die Zahlen damit wieder angestiegen. Vorher war jahrelang ein Rückgang der neuen Ausbildungsverträge in Hessen zu beobachten.

Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK), zeigte sich optimistisch. Er gehe von einem „leicht ansteigenden Trend“ bei der Ausbildung in der gewerblichen Wirtschaft aus. Die Unternehmen wüssten, dass starke Jahrgänge in den Ruhestand gingen, reagierten darauf.

Stephan Gieseler vom Hessischen Städtetag pries die Ausbildung im öffentlichen Dienst. Es sei bekannt, dass sie „solide“ sei. Nun gelte es zu vermitteln, dass sie auch „sexy“ sein könne.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) legt Wert darauf, dass Jugendliche eine bezahlbare Wohnung in der Nähe der Ausbildungsstätte finden. Der stellvertretende DGB-Bezirksvorsitzende Sandro Witt begrüßte die Bereitschaft des Landes zu prüfen, inwieweit die Wohnförderung für Azubis verbessert werden kann.

Berufsschullehrer gesucht

Wirtschaftsvertreter Flammer forderte eine bessere Ausstattung der Berufsschulen, auch personell. Kultusminister Lorz räumte ein, dass es schwierig sei, Berufsschullehrer zu finden. Begehrt sind Männer und Frauen, die aus den Unternehmen an die Schulen wechseln wollen.

Helfen soll dabei eine bessere Bezahlung während des 21-monatigen Vorbereitungsdienstes, bei dem die angehenden Lehrkräfte didaktisch geschult werden. Hier wolle er alle „Anwärterzuschläge“ ausschöpfen, kündigte Lorz an. Vom 1. Mai an erhielten Berufsschullehrer im Vorbereitungsdienst rund 1000 Euro mehr im Monat und kämen so auf rund 2500 Euro.

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