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Hessen braucht mehr Grundschullehrer.

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Hessen braucht mehr Grundschullehrer

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Kultusminister Alexander Lorz stellt ein Konzept vor, wie Personal qualifiziert werden soll. Denn der Nachwuchs kommt erst in vier Jahren.

Mit weiteren Zugangserleichterungen will Hessen mehr Personal für Grundschulen gewinnen. Künftig reicht der Bachelorabschluss in einem Fach für den Quereinstieg in den Schuldienst aus: in Germanistik, Deutsch, Mathematik, Musik, Kunst oder Sport. Bislang sind zwei Fächer notwendig.

Dies ist eine Neuerung, mit der der Hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die Zeit überbrücken will, bis in vier Jahren die ersten Absolventen die Universitäten verlassen haben, denn diese haben ihre Studienplätze aufgestockt. „Wir benötigen weiterhin mehr Lehrkräfte, um Vorhaben wie Ganztagsausbau und Deutschunterricht umzusetzen“, sagte Lorz am Freitag in Wiesbaden. Die Zahl der am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden ausgebildeten Lehrkräfte hätte mit der wachsenden Zahl an Kindern nicht Schritt gehalten. „Dies betrifft vor allem die Grundschulen.“

Ein weiterer Grund für steigenden Personalbedarf seien „bildungspolitische Akzente“, die zu einer Verbesserung der Bildung sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitrügen.

Speziell für Grundschulen ist das Thema Personalgewinnung ein Dauerbrenner. Ältere Kollegen verschoben ihren Ruhestand, Teilzeitlehrer stockten ihre Stunden auf, angehende Gymnasiallehrkräfte wechselten auf die Schulform.

Weil das noch nicht ausreicht, hat das Kultusministerium laut Lorz „ein weiteres umfangreiches Maßnahmenpaket entwickelt“. Dies wurde durch Corona noch notwendiger, weil rund 20 Prozent des Personals aufgrund des Alters oder aus gesundheitlichen Gründen zu den Risikogruppen gehören und deshalb nicht unterrichten können.

Das Paket besteht aus drei Bausteinen: Qualifizierung mit dem Ziel eines dem Lehramt an Grundschulen gleichgestellten Abschlusses; zum Beispiel wird der Umstieg für Haupt- und Realschullehrer attraktiver. Es gibt zusätzliche Modelle zur Abordnung von Kräften mit Gymnasialabschluss. Drittens werden multiprofessionelle Teams eingesetzt, die die Schulen und Fortbildungskandidaten unterstützen.

Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linken, warf Lorz vor, jahrelang geschlafen zu haben. Als „erste Sofortmaßnahme“ forderte sie die Anhebung der Besoldung von Lehrkräften an Grundschulen auf A13.

Lorz hält die im Vergleich zu Gymnasiallehrern geringere Bezahlung nicht für den Knackpunkt: „Wir haben genug Bewerber, die müssen nur erst fertig studieren.“

Von Jutta Rippegather

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