Kommentar

Hessen: Bildung im Blick behalten

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
    schließen

Die GEW protestiert gegen Schulöffnungen ohne Abstandsgebot. Segeltörns auf der Ostsee aber scheinen kein Problem zu sein. Sind ja auch Bildungsreisen.

Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind zuletzt gerne mit Hasenohren aufgetreten. Weil sie, so die Botschaft, keine „Versuchskaninchen“ sein wollten.

Bei zahlreichen Protesten in den vergangenen Tagen hat die GEW massiv Stimmung gegen die Öffnung der Grundschulen für einen probeweisen Normalbetrieb ohne Abstandsgebot gemacht, von Verantwortungslosigkeit gegenüber den Lehrerinnen gesprochen und bewusster Gesundheitsgefährdung. Die Auftritte der – größtenteils weiblichen – GEW-Mitglieder haben stellenweise den Vorwurf provoziert, die „Versuchskaninchen“ seien vielmehr „Angsthasen“.

Beides trifft es nicht. Die Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Schülerinnen und Schüler sind durchaus berechtigt. Berechtigt aber ist auch das Interesse, Kindern und Jugendlichen wieder einen geregelten Schulalltag zu ermöglichen. Vom Anspruch auf Bildung und Vorschläge, wie dieser unter Corona-Bedingungen eingelöst werden könne, war bei den GEW-Protesten nur wenig zu hören.

Die GEW muss aufpassen, dass sie auch weiterhin als Bildungsgewerkschaft wahrgenommen wird, als die sie sich gerne sieht. Und nicht nur mehr als Lehrergewerkschaft, die fast ausschließlich berufsständische Interessen vertritt.

Bei all dem Einsatz für das Wohl der Mitglieder passt übrigens kaum ins Bild, was sich auf der Homepage der gewerkschaftseigenen Bildungsgesellschaft Lea als Angebot für Bildungsreisende findet: zwei Segeltörns auf der Ostsee, auf einem 70 Jahre alten Holzschiff, eine Woche Segelsetzen und echtes Mannschaftsgefühl inklusive. Los geht es am ersten Sonntag der Sommerferien, beide Trips sind bereits ausgebucht. Ob das mit den Abstandsregeln funktionieren kann, die die GEW so nachdrücklich für die Schulen einfordert?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare