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Auch am Frankfurter Paulsplatz musste die Feuerwehr schon Keller auspumpen.

Klimawandel

Hessen bietet Werkzeuge gegen Überflutungen

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Hessen bietet Handreichungen zum Schutz vor Schäden durch Starkregen. Denn die wird es immer häufiger geben.

Beispiel Kreis Offenbach: 21 Menschen wurden im vergangenen August von herabfallenden Dächern oder umgestürzten Bäumen verletzt. 1000 Einsätze mussten die Feuerwehren fahren. Ein Jahr zuvor waren Wetzlar und Kirchhain überflutet: In kürzester Zeit wurden Bäche zu reißenden Flüssen, rollten Schlammlawinen durch Ortschaften, liefen Keller und Tiefgaragen voll.

Was man früher nur aus armen und heißen Ländern kannte, ist mittlerweile auch in Hessen jeden Sommer zu beobachten. Mehrfach pro Jahr. „Starkregenereignisse werden infolge des Klimawandels immer häufiger“, sagt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag in Wiesbaden. Vermeidbar seien solche Umweltkatastrophen nicht. „Aber wir können uns vorbereiten.“ Dabei helfen soll das Projekt „Klimaprax Starkregen und Katastrophenschutz in Kommunen“, welches das Fachzentrum Klimawandel und Anpassung im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in den vergangenen fünf Jahren gemeinsam mit verschiedenen Partnern realisiert hat.

Mehr Infos

Die Projektergebnisse und Starkregen-Hinweiskarte sind im Internet zu finden unter www.hlnug.de/?id=11199

Es gibt sie auch als Informationsbroschüren und Kartenprodukte für die kommunale Planung.

Regionalkonferenzen mit dem Thema „Stadtklima und Starkregen in der Praxis“ folgen voraussichtlich im Oktober nach der Abschlusskonferenz. jur

Eigentlich sollte es Mitte März dafür eine große Abschlussveranstaltung geben. Doch die Corona-Beschränkungen machten den Projektbeteiligten einen Strich durch die Rechnung. Als Nachholtermin ist jetzt der September avisiert. Regionalkonferenzen schließen sich an.

Zu spät, um das Wissen bis dahin für sich zu behalten. Schließlich gehen die größten Unwetter im Sommer nieder. Deshalb sei es wichtig, dass die Kommunen möglichst rasch Zugriff auf die Werkzeuge erhielten, um Schäden durch Starkregen abzumildern oder zu vermeiden, sagt Hinz. Rund 20 Millionen Euro investiere das Land jährlich in den Hochwasserschutz und die Gewässerentwicklung.

Zu den Instrumenten gehört etwa eine Starkregen-Hinweiskarte, die besonders gefährdete Gebiete ausweist. Sie basiert auf Niederschlagsbeobachtungen, Topografie und Versiegelungsgrad. Besonders gefährdete Kommunen können dort erfahren, wo es besonders kritisch werden könnte. „Damit ermöglichen wir eine erste Gefährdungseinschätzung“, sagt HLNUG-Präsident Thomas Schmid. Auf Anfrage stellt die Behörde zudem sogenannte kommunale Fließpfadkarten zur Verfügung. Sie sollen einen ersten Eindruck vermitteln, welche Wege das Wasser bei Starkregen nehmen könnte.

Dass Starkregen mit Klimawandel zu tun hat, steht für Schmid außer Frage: Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kühlere. Im Mittel sieben Prozent pro ein Grad Celsius Temperaturerhöhung. Eine Gewitterwolke bei 33 Grad Celsius enthält demnach mehr Wasser, als bei 28 Grad. Ergo: Wenn es an Hitzetagen schüttet, laufen die Kanäle besonders schnell über.

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