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Blauer Himmel über Frankfurt.

Corona in Hessen

Hessen: Corona sorgt für bessere Luftqualität

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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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Weniger Flüge und Verkehr lassen die Werte von Stickstoffdioxid und Ultrafeinstaub sinken. Die Stadt Frankfurt hofft sogar, Fahrverbote vermeiden zu können. Zumindest an einer Straße.

  • Corona-Maßnahmen sorgen für weniger Verkehr
  • Die Luftqualität bessert sich durch die Corona-Maßnahmen
  • In Frankfurt hofft man, Fahrverbote vermeiden zu können 

Kaum mehr Flugzeuge am Himmel, der Straßenverkehr ist überschaubar: Die Folgen des Shutdown lassen sich auch an der Luftqualität messen. Das haben die Hessen jetzt amtlich. Am Montag hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) seine neuesten Auswertungen veröffentlicht. Das Ergebnis überrascht wenig: „Die Erwartung, die sich in der vergangenen Woche manifestierte, lässt sich nun bestätigen.“ Die Stadt Frankfurt hofft, wegen dieser Entwicklung Fahrverbote für ältere Dieselautos zumindest teilweise vermeiden zu können.

Corona-Krise: Homeoffice sorgt für bessere Luftqualität

Um die Weiterverbreitung des Virus zu verlangsamen, hatte die Landesregierung am 13. März ein Kontaktverbot beschlossen. Schüler bleiben zu Hause, viele Eltern sind ins Homeoffice umgezogen. Kaum einer fährt mehr morgens mit dem Auto zur Arbeit. In den öffentlichen Verkehrsmitteln im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sitzen nur noch 20 Prozent der sonst üblichen Kunden.

Aktuell liegt der Verkehr in den hessischen Großstädten bei rund 50 bis 60 Prozent der gewohnten Menge, berichtet das Landesamt. Am Flughafen Frankfurt sank die Zahl auf ein Fünftel der sonst üblichen Flugbewegungen. Fraport hat in der vergangenen Woche Terminal 2 außer Betrieb genommen, die Landebahn Nordwest nutzt die Lufthansa als Parkplatz.

Weniger Schadstoffemissionen verbessern Luftqualität 

Die Bevölkerung atmet auf: Die geringeren Schadstoffemissionen aus dem Verkehr haben die Luftqualität an allen Messstationen in Hessen verbessert, haben die Experten in Wiesbaden festgestellt. Überall seien „deutlich niedrigere Werte des schädlichen Stickstoffdioxids (NO2)“ gemessen worden als noch in der ersten Märzhälfte.

Zwar sei mit der starken Abnahme der Emissionen aus dem Straßenverkehr ein Wetterumschwung einhergegangen, der für zusätzlich gute Luft sorgte. Rechne man diesen meteorologischen Effekt aber heraus, so ergebe sich an den Standorten mit Verkehr im Mittel immer noch eine Abnahme der Stickstoffdioxid-Konzentration von etwa 40 Prozent. Diese sei allein der geringeren Verkehrsmenge zuzurechnen.

Kaum Flugverkehr: Bessere Luftqualität wegen Corona

Beim Flugverkehr machten sich den Experten zufolge vor allem die Änderungen beim Ultrafeinstaub bemerkbar. An der Luftmessstation in Raunheim etwa würden derzeit rund 40 Prozent niedrigere Konzentrationen an ultrafeinen Partikeln gemessen als sonst bei gleichen Windbedingungen.

Bei den Feinstaubkonzentrationen registrierten die Wissenschaftler am 27./28. März eine kurzzeitige Erhöhung, insbesondere in Südhessen. Grund war ein relativ seltenes Ereignis: Partikel von Saharastaub wurden über den südöstlichen Mittelmeerraum bis nach Hessen transportiert.

Corona-Effekt: Behörde misst Luftqualität

Das HLNUG will die Entwicklung der Luftqualität weiter verfolgen. Da sie unmittelbar in Zusammenhang steht mit den Einschränkungen des Verkehrs, hat sie auch schon einen Namen: „Corona-Effekt“. Dieser macht sich offenbar ganz besonders an der ansonsten stark belasteten Friedberger Landstraße in Frankfurt bemerkbar. Im ersten Quartal des laufenden Jahres habe die Stickoxidbelastung im Durchschnitt bei 36,7 Mikrogramm pro Kubikmeter gelegen, teilte der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Montag mit.

Corona-Krise: Luftqualität an Friedberger Landstraße so gut wie lange nicht mehr 

Seit Beginn der Messungen auf der Friedberger Landstraße im Jahr 1997 sei dieser Wert niemals niedriger gewesen. Vor einem Jahr betrug die Belastung laut Oesterling durchschnittlich mehr als 47 Mikrogramm pro Kubikmeter. In den frühen Morgenstunden sei er nun an mehreren Tagen auf fünf Mikrogramm gesunken, was der Stickoxidbelastung auf der Insel Norderney entspreche.

Der Verkehrsdezernent wies zudem darauf hin, dass der europaweit geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm damit deutlich unterschritten wurde. Es sei nicht davon auszugehen, dass die durchschnittliche Belastung in diesem Jahr noch über den Grenzwert steigen werde. Die von den Verwaltungsgerichten angedrohten Fahrverbote für ältere Diesel dürften deshalb „zumindest für die Friedberger Landstraße vom Tisch sein“, sagte Oesterling. Dies gelte aber voraussichtlich nicht für sämtliche Hauptstraßen in Frankfurt.

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