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Für ein Miteinander von Wolf und Weidetieren in Hessen soll ein professionelles Wolfsmanagement sorgen.

Tierschutz

Hessen bekommt ein Zentrum für den Wolf

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Ein Ansprechpartner soll das Wissen und die Hilfen bündeln. Die FDP fordert weiter den Abschuss der beiden in Hessen ansässigen Weibchen, die Jäger sehen sich vom Land ausgebootet.

Hessen bekommt ein „Wolfszentrum“. Angesiedelt ist es beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Die Behörde erfasst Meldungen, Ereignisse, Nachweise und sonstige Daten, bewertet und dokumentiert sie. Hinzu kommen nun Aufgaben des Wolfsmanagements. Dazu gehören die Koordination und Betreuung der Wolfshotline, die Beratung von Einzelpersonen oder Verbänden, Öffentlichkeitsarbeit sowie der Austausch mit anderen Dienststellen.

Der neue zentrale Ansprechpartner ist Teil eines Pakets, mit dem Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) den Tierhaltern die Sorgen wegen Wolfsrissen nehmen will. Vorgestellt hat sie es bei einem Treffen mit den Vertretern der Verbände aus den Bereichen Weidetierhaltung, Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd. Die ehrenamtlichen Wolfsberater vor Ort bekommen Unterstützung von amtlichen Beratern von Hessen Forst. Zudem wird die für den Mindestschutz einzusetzende Herdenschutz-Grundprämie von 31 Euro pro Hektar auf 40 Euro pro Hektar angehoben. Darüber hinaus will das Land die Weidetierhalter mit zusätzlichen Mitteln unterstützen. Wie genau, soll Thema des nächsten Fachgesprächs mit den Tierhaltern im September sein.

Wölfe in Hessen

Zwei Weibchen sind in Hessen seit Herbst sesshaft: Das im Vogelsbergs jagt überwiegend Wild. Ärger macht die nordhessische so genannte Stölzinger Wölfin, die hat Geschmack an Schafen gefunden . Hinzu kommen Exemplare, die Hessen durchwandern. Überfahren wurden in diesem Jahr drei: in Frankfurt, Wiesbaden und dem nordhessischen Helsa. jur www.hlnug.de

Der Naturschutzbund (Nabu) begrüßte den Dialog und die angekündigten Verbesserungen: „Ein guter Herdenschutz ist essenziell für die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltern“, sagte Landesvorsitzender Gerhard Eppler. Kritik kam von der fachpolitischen Sprecherin der FDP, Wiebke Knell. Hinz habe nicht alle Betroffenen einbezogen. „Keine der vorgestellten Maßnahmen wird Wölfe daran hindern, weiter Nutztiere zu reißen“, urteilte die FDP-Abgeordnete. Den Tierhaltern sei einzig mit dem Abschuss der beiden in Hessen ansässigen Wölfinnen geholfen.

Der Landesjagdverband monierte die Einrichtung des Wolfszentrums. Mit dem Aufbau eines landesweiten Netzes an hauptamtlichen Wolfsberatern würden die ehrenamtlichen Helfer aufs Abstellgleis geschoben. Unter diesen Helfern seien auch viele Jäger. Die Aufnahme von Wolfsrissen oder Verdachtsfällen werde wohl in Zukunft allein Sache des staatlichen Wolfsmonitorings sein.

Dies dürfte das „ohnehin niedrige Vertrauen in den Umgang mit dem Wolf in Hessen weiter schwächen“, glaubt der Verband. Zudem bleibe ungeklärt, wie der beträchtliche finanzielle Aufwand für eine hauptamtliche Wolfsüberwachung finanziert werden solle. „Nun müssen wohl die Steuerzahler für die romantische Vorstellung des ,Wolfslandes Hessen‘ aufkommen“, so der Landesjagdverband. mit dpa

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