Tierschutz

Hessen beklagt qualvolle Tiertransporte

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Die hessische Ministerin Hinz dringt auf Abhilfe. Ihre Bundeskollegin Klöckner ist über Kritik verwundert.

Tiere müssen bei Transporten ins Ausland unnötige Qualen erleiden. Das hat die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin am Dienstag in Wiesbaden berichtet, nachdem sie sich auf den Spuren von Tiertransporten durch Russland umgeschaut hat.

Gemeinsam mit Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) forderte Martin, dass qualvolle Transporte unterbunden werden müssten. Als ersten Schritt müsse die Bundesregierung die Situation in anderen Staaten überprüfen und eine Datenbank anlegen, an der sich Veterinärmediziner orientieren könnten.

Transporte von Rindern über Tausende Kilometer in Länder wie Usbekistan oder Kasachstan dürften nach EU-Recht nur genehmigt werden, wenn ausreichend Versorgungsstationen auf dem Weg vorhanden seien. Nach spätestens 29 Stunden müssten die Tiere aus den Lastwagen gebracht, gefüttert und getränkt werden und sich mindestens 24 Stunden lang erholen.

Das sei bei den Stationen, die Madeleine Martin mit Kolleginnen aus Bayern und Schleswig-Holstein aufgesucht hatte, nicht gewährleistet. Diese Stationen seien teilweise Wellblechhallen, die im Sommer unerträglich heiß und im Winter sehr kalt würden.

Viel zu eng für Rinder

Eine angebliche Station sei nicht mehr als ein „Heulager“ gewesen, aus dem die Lastwagenfahrer Heu zu den Tieren gebracht hätten, ohne sie aus den Fahrzeugen zu lassen. Andere Stationen hätten Hallen, die viel zu eng für die große Zahl an Rindern seien.

Nach Auffassung von Ministerin Hinz dürfen Tiere nicht über solche Strecken gekarrt werden. Dafür müssten die Veterinäre, die Transporte genehmigen, aber über die Zustände unterrichtet sein.

Es sei „ein Skandal“, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bisher nicht tätig werde, beklagte Grünen-Politikerin Hinz. Klöckners Ministerium zeigte sich „verwundert“ über die Äußerungen aus Hessen. „Die Datenbank befindet sich gerade im Aufbau und wir sind auf einem guten Weg“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Frankfurter Rundschau. Bund und Länder hätten die Arbeitsgruppe am 27. Mai gegründet, Hessen sei daran beteiligt. Ministerin Hinz sei offenbar „nicht auf dem aktuellen Stand“.

Schon im April hatte die hessische Ministerin per Erlass geregelt, dass von Hessen aus keine Tiertransporte in Länder abgehen dürfen, wenn nicht überprüft ist, dass dort die Anforderungen an den Tierschutz eingehalten werden. Tierhändler seien in andere Bundesländer ausgewichen, um Sammeltransporte dort zusammenzustellen, berichtete Hinz.

So würden Tiere aus Nordhessen nach Teltow in Brandenburg gebracht, um von dort nach Russland und weiter in den Osten gekarrt zu werden. Hingegen habe Niedersachsen aufgrund des Reiseberichts von Madeleine Martin und ihren Kolleginnen ebenfalls diese Route eingestellt.

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