Blutspender machen sich in Corona-Zeiten rar.
+
Blutspender machen sich in Corona-Zeiten rar.

Hessen

Auch Schwule sollen Blut spenden

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Hessischer Landtag dringt auf Abschaffung der Pflicht zur Enthaltsamkeit – auch die CDU. Sie widerspricht damit ihrem Parteifreund Jens Spahn in Berlin.

Schwule und bisexuelle Männer dürfen in Deutschland nur Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Die schwarz-grüne Koalition in Hessen hält das für diskriminierend und dringt auf eine Abschaffung dieser Vorgabe.

Das haben ihre Redner am Donnerstag im hessischen Landtag deutlich gemacht. „Weder sexuelle Orientierung noch Geschlechtsidentität per se, sondern das individuelle Risikoverhalten sollte Maßstab dafür sein, wer Blut spenden darf“, hieß es in einem gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen.

Die Grünen dringen schon lange darauf, den faktischen Ausschluss von Schwulen vom Blutspenden abzuschaffen. Nun schwenkt die hessische CDU auf diesen Weg ein. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, Gruppen der Bevölkerung von der Blutspende quasi auszuschließen, weil sie eine für die Blutspende vermeintlich risikobehaftetere sexuelle Orientierung haben“, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Ralf-Norbert Bartelt. Er plädierte dafür, dass jeder Mensch Blut spenden dürfe, der vier Monate in einer monogamen Beziehung lebe. „Damit würden wir die Möglichkeit zur Blutspende am eigenen Risikoverhalten ausrichten und nicht mehr an der sexuellen Orientierung“, fügte Bartelt hinzu.

Blutspender gesucht

Die Bereitschaft zum Blutspenden ist in Corona-Zeiten zurückgegangen. Das Paul-Ehrlich-Institut, das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rufen daher zur Blutspende auf. Im Versorgungsgebiet Hessen und Baden-Württemberg gab es bislang etwa 2600 Konserven pro Tag. Während der Pandemie verringerte sich die Zahl laut DRK um 25 Prozent. pit

Der Landtag forderte die Bundesärztekammer auf, ihre Hämotherapie-Richtlinie entsprechend zu ändern. Zugleich solle die Bundesregierung das Transfusionsgesetz anpassen. Die FDP machte sich in einem eigenen Antrag dafür stark, dass Hessen dafür eine eigene Bundesratsinitiative starten solle.

Die hessische CDU geht damit jetzt einen anderen Weg als ihre Parteifreunde auf Bundesebene. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte erst vor kurzem eine Änderung der Regelung abgelehnt, da derzeit „keine alternativen validen Methoden zur Verfügung“ stünden.

Im Landtag macht sich eine breite Mehrheit dafür stark, das Blutspenden für schwule Männer zu öffnen. Fünf der sechs Fraktionen im hessischen Landtag teilen diese Absicht. Nur die AfD wandte sich dagegen. Ihr Redner Andreas Lichert verwies auf die „höhere Promiskuität“ bei Männern, die Sex mit Männern haben. Er warnte vor neuen Risiken für Blutempfänger.

Elisabeth Kula (Linke) entgegnete ihm, maßgeblich müsse das individuelle Verhalten sein, nicht die sexuelle Orientierung. Jürgen Lenders (FDP) warf dem AfD-Mann Homophobie vor.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) berichtete von einem jungen schwulen Mann, der Blut habe spenden wollen und abgewiesen worden sei. „Beschämend und diskriminierend“ sei diese Erfahrung für ihn gewesen, sagte Klose und warb für eine Neuregelung: „Es gibt niemanden, der ihnen die zwölf Monate Ausschlussfrist irgendwie medizinisch begründen kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare