Corona-Krise

Hessen: Arbeitslosigkeit wächst in Großstädten deutlich

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Die Corona-Krise trifft den hessischen Arbeitsmarkt weiter hart. Besonders stark steigt die Arbeitslosigkeit dabei in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt und Offenbach.

Auf dem hessischen Arbeitsmarkt ist noch keine Trendwende in Sicht. Zwar zeichnet sich nach Einschätzung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit „eine gewisse Entspannung hinsichtlich der Folgen der Corona-Pandemie“ ab. Die Arbeitslosenzahl ist im Juli dennoch weiter gestiegen. 204 281 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet, rund 7100 mehr als im Juni, mehr als 204 000 als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber Juni um zwei zehntel Prozentpunkte auf 5,9 Prozent. Im Juli 2019 hatte sie noch bei 4,5 Prozent gelegen.

Überproportional trifft die Corona-Krise dabei die hessischen Großstädte. In Frankfurt, wo die Wirtschaft jahrelang boomte, stieg die Arbeitslosenquote nach Zahlen der Agentur für Arbeit im Vergleich zum Juni um 0,3 Prozentpunkte auf nun 7,5 Prozent. Noch vor einem Jahr hatte sie bei 5,1 Prozent gelegen.

Noch stärker stieg die Arbeitslosigkeit zuletzt in Wiesbaden, wo die Quote im Vergleich zu Juni um 0,5 Prozentpunkte zulegte. Auch in Kassel, Darmstadt, Offenbach wachsen die Zahlen schneller als im Landesdurchschnitt.

Zugleich sind in vielen Teilen Hessens die Arbeitslosenzahlen trotz der Krise noch sehr niedrig. In elf hessischen Kreisen liegt die Quote weiterhin unter fünf Prozent.

Noch verhindert allerdings nicht zuletzt Kurzarbeit in nie gekannter Dimension, dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Zwar haben im Juli nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nur noch gut 1000 Unternehmen neu Kurzarbeit angezeigt. Viele Unternehmen nähmen das Instrument zur Vermeidung von Entlassungen aber weiterhin stark in Anspruch, sagt Bettina Wolf, Geschäftsführerin operativ bei der Regionaldirektion Hessen.

Im April – der Hochphase der Krise – habe die Bundesagentur für Arbeit in Hessen für mehr als 500 000 Betriebe Kurzarbeitergeld ausgezahlt.

Die Corona-Krise hat zudem dazu geführt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erstmals seit mehr als zehn Jahren zurückgegangen ist. Sie lag im Mai mit 2,62 Millionen 0,3 Prozent unter dem Wert von April. Besonders stark waren die Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe, dem Gastgewerbe und im Bereich Arbeitnehmerüberlassung, also etwa Zeitarbeit.

Wer arbeitslos wird, hat es schwerer als vor der Krise, eine neue Stelle zu finden. Zwar melden die hessischen Arbeitgeber nach Zahlen der Arbeitsagentur wieder deutlich mehr neue offene Stellen. Zugleich werde derzeit aber jede vierte von zehn gemeldeten Stellen wieder storniert. Die Gesamtzahl der offenen Stellen liegt fast ein Drittel unter dem Vorjahreswert.

Der DGB Hessen-Thüringen forderte am Donnerstag, dass nur noch Betriebe Staatshilfen erhalten sollten, die eine Beschäftigungs- und Standortgarantie abgäben und Tarifverträge anwendeten.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände warb für „ein Belastungsmoratorium bei Steuern und Abgaben, mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und insbesondere auch im Arbeitsrecht“.

Kommentare