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Hessen arbeitet an Impfstrategie

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Der Sozialminister holt Gesundheitsämter, Betriebsärzte und Seniorenbeirat mit ins Boot.

Jeder Hesse soll im Laufe seines Lebens wiederkehrende Impfberatungen bekommen: mehrmals in der Schule, später durch den Betriebsarzt, den Hausarzt. Das Konzept von Sozialminister Kai Klose (Grüne) sieht das Angebot regelmäßiger Kontrolle des Impfstatus vor, verbunden mit Öffentlichkeitskampagnen – auch in den sozialen Medien, um gezielt junge Leute zu erreichen. Denn bei den 18- bis 25-Jährigen sehen Experten speziell beim Masernschutz großen Nachholbedarf. Aber auch ältere Menschen sollen sensibilisiert werden.

Der Landesseniorenbeirat sitzt deshalb mit in der neuen Landesarbeitsgemeinschaft, die jetzt das erste Mal tagte. Klose stellte bei dem Treffen seine Ideen zur „Integrierten Landesimpfstrategie“ vor, im August wird weiterdiskutiert. Anlass waren ursprünglich die schlechten Impfquoten gegen Humane Papillomaviren (HPV), die unter anderem Gebärmutterhalskrebs verursachen. An Fahrt hat das Thema aufgenommen, weil Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Pflicht zur Masernimpfung einführen will – eine Dreifachimpfung, die auch gegen Röteln und Mumps schützt.

Die hessische SPD-Fraktion wirft Klose Blockade vor. Er solle seinen Widerstand gegen dieses Vorhaben aufgeben, das durch den Bundesrat gehen müsste. Der Minister würde sich einer vom Bund verordneten Impfpflicht nicht verweigern, hegt aber verfassungsrechtliche Bedenken. „Wenn die Bundesregierung meint, dass sie das durchbekommt, soll sie das machen“, stellt er am Freitag in Wiesbaden klar. Und fürchtet, es könnten Widerstände geweckt werden.

Im Moment ist die Situation in Hessen so: Die neun Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sind Pflicht. Zu den Schuleingangsuntersuchungen sollte auch das Impfbuch mitgebracht werden. Sollte. Rund acht Prozent vergessen es. „Das ist eines der Hauptprobleme“, sagt Sabine Totsche, zuständige Abteilungsleiterin im Ministerium. Mancherorts erfolgen Untersuchungen zum Schulabgang. Und dann ist Schluss. Es gibt noch eine Jugendvorsorgeuntersuchung – doch die findet wenig Zuspruch.

Der Vorschlag aus dem Ministerium: Impfberatung durch Mitarbeiter des zuständigen Gesundheitsamts auch in der dritten, fünften und neunten Klasse und einmal in der Oberstufe. Betriebsärzte bieten Kontrollen an, die Niedergelassenen fragen regelmäßig nach dem Impfbuch. Bei all dem geht es Klose explizit nicht nur um Masern, sondern um alle Krankheiten, gegen die die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung empfiehlt: Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatis B, oder auch HBV. „Wir haben generell eine erschreckend niedrige Impfquote“, sagt Klose. Aus diesem Grund wurde die Landesimpfstrategie auch in den schwarz-grünen Koalitionsvertrag aufgenommen.

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