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Abi-Plakat an der Bettinaschule.

Schule in Hessen

Was ist das Hessen-Abi wert?

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Die FR hat die Landtagsfraktionen befragt. Die Union will den „Leistungswillen“ fördern.

In Deutschland ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie viel ein Abiturabschluss wirklich wert ist – und auch die schwarz-grüne Koalition in Hessen hält „qualitätssteigernde Maßnahmen“ für notwendig. „Wir wollen das Abitur hinsichtlich seiner Qualität weiter stärken“, heißt es im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen. Es müsse „nach wie vor der verlässliche Gradmesser für die Studierfähigkeit der Schülerinnen und Schüler sein“.

Die Koalitionsparteien wollen das nicht als Misstrauenserklärung gegen die heutige Gymnasialausbildung und das Hessen-Abi verstanden wissen. Aber man mache sich Gedanken über „Nachjustierungen“, sagt der Grünen-Bildungspolitiker Daniel May auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. So sollten sowohl die „MINT“-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gestärkt werden als auch PoWi (Politik und Wirtschaft).

Die geplanten Änderungen betreffen noch nicht die Schülerinnen und Schüler, die am heutigen Donnerstag mit ihren Abiturprüfungen beginnen. Aber an künftige Gymnasiasten und Gesamtschüler könnten neue Anforderungen gestellt werden. Wann das so weit ist, vermag die Landesregierung nicht zu sagen. Der Koalitionsvertrag sei schließlich ein Arbeitsprogramm für fünf Jahre, heißt es aus dem Kultusministerium von Alexander Lorz (CDU).

Die Frankfurter Rundschau hat bei allen Fraktionen nachgefragt. Der Union gehe es darum, den Heranwachsenden den für ein Studium „erforderlichen Leistungswillen und die notwendigen Qualifikationen abzuverlangen“, erklärt der CDU-Schulexperte Armin Schwarz. So solle die dritte Fremdsprache wieder zum Wahlpflichtfach werden. Dabei können Schülerinnen und Schüler eines von mehreren Angeboten wählen, das sie dann aber verpflichtend wahrnehmen müssen. Schwarz macht sich außerdem dafür stark, dass Schüler bei einem entsprechenden Votum der Klassenkonferenz an Förderkursen teilnehmen müssen.

Das Hessen-Abitur war nach der Wahrnehmung der Union früher in Verruf. „Bei der Bewerbung um einen Studienplatz in anderen Bundesländern waren hessische Schüler teilweise sogar mit einem Minuspunkt benachteiligt worden“, erinnert Armin Schwarz. Seit der Regierungsübernahme der CDU im Jahr 1999 seien die Leistungsanforderungen aber wieder erhöht worden.

Das sieht die AfD vollkommen anders. Das Kultusministerium habe einen „Niedergang des Abiturs“ zu verantworten, kommentiert deren Abgeordneter Rolf Kahnt. Nach und nach seien die „Versetzungsbestimmungen nach unten geschraubt worden“. Nun müssten „in allen Schulformen und Jahrgangsstufen die Leistungsanforderungen angehoben werden“, verlangt der AfD-Politiker. So könne das Abitur wieder zu einer „Reifeprüfung“ werden und nicht nur zu einer „Hochschulzugangsberechtigung“, sagt Kahnt.

Die hohe Abbrecherquote unter Studierenden bereitet mehreren Fraktionen Sorgen. Der SPD-Abgeordnete Christoph Degen hält deswegen „eine bessere Vorbereitung auf die nachschulische Berufs- und Lebenswelt insbesondere im gymnasialen Bildungsgang“ für notwendig. Derzeit solle die Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien von fachfremden Lehrkräften am Rande des PoWi-Unterrichts geleistet werden. Das werde den Anforderungen nicht gerecht, zeigt sich Degen überzeugt. Schule müsse außerdem stärker „Eigenständigkeit, Verantwortung und Selbstbewusstsein“ fördern.

Die Linken-Abgeordnete Elisabeth Kula sieht kein Leistungsproblem bei den Abiturienten. Mit einem landesweiten Notenschnitt von 2,4, der seit Jahren erreicht werde, stehe Hessen gut da. Sorgen macht ihr aber, dass die Quote derjenigen steigt, die bei den Abiprüfungen durchfallen. Aus Sicht der Linken könnten kleinere Klassen und echte Ganztagsschulen helfen.

Die FDP bezeichnet das Abitur als „zentralen Gradmesser“. Zugleich schlägt ihr Abgeordneter Moritz Promny aber vor, „dass Hochschulen und Ausbildungsbetriebe zusätzliche Parameter festlegen können, die neben den Abiturnoten als Eignungsfeststellung dienen.“

Viele Fraktionen legen besonderen Wert auf das Erlernen einer korrekten Rechtschreibung. Dies sei eine „unerlässliche Voraussetzung für die Studierfähigkeit“, formuliert CDU-Politiker Schwarz. Hierfür benötigten Lehrkräfte aber „ausreichend Zeit und Methodenvielfalt“, fügt FDP-Mann Promny hinzu.

Sie dürften nicht zu viel Zeit für Tätigkeiten aufwenden müssen, die nichts mir ihrer pädagogischen Arbeit zu tun hätten. „Dies gilt nicht nur in Bezug auf Rechtschreibkompetenzen, sondern lässt sich auch auf andere Bereiche und Themengebiete übertragen“, merkt der FDP-Schulpolitiker an.

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