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„Herz und Hand“ vor dem Aus?

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Peter Keldorfer, Bürgermeister Guido Rahn und Klaus von Treichel (von links) hoffen, dass bei der Mitgliederversammlung die Auflösung der Nachbarschaftshilfe abgewendet werden kann. niehoff © Jürgen W. Niehoff

Klaus von Treichel ist verzweifelt. Seit Wochen sucht der Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe „Herz und Hand“ einen Nachfolger für seinen Vorstandsposten. Bisher vergebens. „Ich begreife das nicht. Unser Verein hat zurzeit 273 Mitglieder und darunter bestimmt 30 wirklich aktive. Und trotzdem will keiner die Verantwortung übernehmen“, zeigt sich der inzwischen 75-jährige von Treichel ratlos.

Er führt den Verein seit sechs Jahren an und will auch weiterhin aktives Mitglied bleiben, nur nicht mehr als Vorsitzender.

Die Nachbarschaftshilfe „Herz und Hand“ wurde im Mai 2005 gegründet. Anlass war, dass immer mehr Bürger nach einer Möglichkeit suchten, Gegenstände gegen andere zu tauschen. Letztere konnten auch Dienstleistungen wie Gartenarbeit, Hilfe im Haushalt oder Unterstützung bei der Pflege sein. Als diese Tauschbörse einzuschlafen drohte, übernahmen einige Karbenerinnen und Karbener die Initiative und weil die Nachfrage vor allem nach Dienstleistungen weiterhin gefragt war, wurde daran angeknüpft und der Verein gegründet.

Voraussetzung war und ist, dass alle Helfenden ehrenamtlich arbeiten. Benötigt ein Mitglied tatkräftige Hilfe springen Vereinsmitglieder ein und übernehmen die Aufgabe. Sei es bei Arztbesuchen, Behördengängen, Besorgungen, Einkäufen, Betreuung zu Hause oder Begleitung beim Spaziergang bis hin zur Unterstützung bei schriftlichen Angelegenheiten. Auch wird beispielsweise bei Hausaufgabenbetreuung und Beaufsichtigung der Kinder geholfen.

Voraussetzung eine Mitgliedschaft zum Jahrespreis von 12 Euro. Ein Punktesystem regelt und verrechnet dabei die geleisteten gegen genutzte Zeitanteile. Verfügt das Vereinsmitglied über kein Punkteguthaben, können Dienstleistungen gegen eine Gebühr von 3,50 Euro für die erste Stunde und 1,75 Euro für jede weitere Stunde gekauft werden.

VERSAMMLUNG

Unter der Leitung von Uli Bode hat eine Arbeitsgruppe Alternativen zur Zukunft von Herz und Hand erarbeitet. Die Ideen werden während der Versammlung am Samstag, 29. Oktober, 15 Uhr vorgestellt und diskutiert.

Wer Interesse an der Vorstandsarbeit hat und den weiteren Bestand von Herz und Hand sicherstellen möchte, kann sich beim Vorstand melden. Klaus von Treichel gibt gern Informationen zu den Aufgaben des Vereinsvorstands. Informationen zu »Herz und Hand« gibt es im Internet unter https://www.herzundhand-karben.com. jwn

„Dabei erfreuen sich unsere Angebote wie beispielsweise Leihoma, Gesellschaft zum Plaudern, Begleitung zum Arzt oder Haustierbetreuung großer Nachfrage“, berichtet Peter Keldorfer. Er ist der stellvertretende Vereinsvorsitzende und auch er möchte sein Amt aus familiären Gründen nicht weiterführen. Die Misere um die Nachfolgefrage ist während der letzten Mitgliederversammlung Anfang des Monats aufgetreten. Zu der waren lediglich 17 Mitglieder erschienen und keiner erklärte sich bereit die Nachfolge an der Vereinsspitze zu übernehmen.

„Wir haben wirklich im Vorfeld der Versammlung viele Gespräche dazu geführt, aber vergebens“, erklärt von Treichel. Sollte sich am Samstag kein neuer Vorstand finden, steht der Verein vor dem Aus. „Auch wenn es wehtut, aber wir beide hören definitiv an der Spitze auf“, sagt von Treichel. Es bleiben nur noch wenige Tage, um die Zukunft der Nachbarschaftshilfe zu sichern.

Inzwischen ist Bürgermeister Guido Rahn (CDU) auf das Problem aufmerksam geworden. „Wir haben natürlich auch alle Hebel in die Wege geleitet, haben Anzeigen auf den Social Media-Plattformen geschaltet und uns umgehört, denn wenn Herz und Hand wirklich aufgeben sollte, wäre das ein großer Verlust für die Stadt“, sagt Rahn.

Die Stadt könne die von Herz und Hand angebotenen Dienge mit Ausnahme vielleicht des Fahrdienstes gar nicht übernehmen. „Das geht nur mit Ehrenamtlichen. Ansonsten würden die Leistungen unbezahlbar. Außerdem fehlt uns das Personal dafür“, erklärt er. Rahn, von Treichel und Keldorfer sind sich einig, dass sich die Gesellschaft in den vergangenen beiden Jahrzehnten verändert hat. Das Gemeinwohl würde immer mehr hinter das persönliche Wohlergehen des Einzelnen zurückgedrängt. Und das auf Kosten des Ehrenamtes. Fast alle Vereine würden darunter leiden. Trotz allem lassen Klaus von Treichel und Peter Keldorfer die Köpfe nicht hängen: „Es müssen sich doch Personen finden lassen, die den Verein weiterführen“, sagen sie. Es können auch Personen sein, die kurzfristig beitreten. Das ist auch bei der Mitgliederversammlung im Clubraum I des Bürgerzentrums am Samstag, 29. Oktober, 15 Uhr, möglich.

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