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Gut gebrüllt

Herpes am Volkskörper

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Debatten im hessischen Landtag sind nicht unbedingt Musik in den Ohren. Das ist kein Wunder, denn Harmonie gehört in die Musik, nicht in die Politik.

Einmal im Jahr steht jedoch Musik im Mittelpunkt – überraschenderweise immer, wenn der Datenschutzbeauftragte ans Mikrofon tritt. Amtsinhaber Michael Ronellenfitsch ist nicht nur Juraprofessor, sondern auch begeisterter Rock’n’Roll-Gitarrist und -Kenner. Also würzt er seine Reden, indem er Songtitel zitiert. Ronellenfitsch trägt sie nicht auf der Gitarre vor, er tut etwas viel Abseitigeres: Er interpretiert sie datenschutzrechtlich.

In dieser Woche hielt Ronellenfitsch seine Abschiedsrede. Zwar amtiert er noch bis Ende Februar, aber sein Nachfolger Alexander Roßnagel wurde bereits vom Landtag gewählt. Ronellenfitsch verabschiedete sich mit einem Songtitel von Danny & The Juniors: „Rock’n’Roll is here to stay“. Dann fügte er an: „Und das gilt auch für den Datenschutz.“.

Die anderen Fraktionen dankten ihm herzlich für Sachkunde und Unterhaltungswert seiner Beiträge. Aber sie taten sich schwer, einen passenden Songtitel für den scheidenden Datenschützer zu finden. Als der Linken-Abgeordnete Torsten Felstehausen gestand, ihm sei zunächst nichts Besseres eingefallen als „Abschied ist ein scharfes Schwert“ des Schnulzenbarden Roger Whittaker, antwortete Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) augenzwinkernd: „Hätte ich gewusst, dass Sie Roger Whittaker ansprechen, hätte ich früher darauf hingewiesen, dass Ihre Redezeit abgelaufen ist.“ Felstehausen rettete sich, indem er Ronellenfitsch ein „Keep on Running“ zurief – ein Oldie der Spencer Davis Group.

Vielleicht müsste die musikalische Bildung der Abgeordneten ein bisschen aufgefrischt werden. Sie haben schließlich die Ohren frei. Mund-Nasen-Bedeckungen hingegen müssen im Landtag konsequent getragen werden.

Nur die AfD-Fraktion hat etwas dagegen und zog vor den Staatsgerichtshof. Ohne Erfolg, wie sich in dieser Woche zeigte, als ihr Antrag abgewiesen wurde. Aber was hat die AfD eigentlich gegen die Maske, wo sie doch gleichzeitig sagt, niemand habe so früh wie sie auf die Gefahr durch Corona hingewiesen?

Das kann man in der Begründung ihres Antrags vor Gericht nachlesen. Dort zitieren die Abgeordneten eine Forscherin, die der Maske das Potenzial zuschreibt, „über entstehende Aggression starke psychovegetative Stressreaktionen zu bahnen“. Zu befürchten sei auch „die Verstärkung vorbestandener gesundheitlicher Probleme“ – genannt werden „posttraumatische Belastungsstörungen, Herpes, Migräne“.

Linken-Fraktionschefin Janine Wissler fand, dafür müsse man schon „ziemlich verquer“ denken. „Jede Krankenschwester trägt Maske, Schulkinder bekommen das hin, aber die Burschenschafter und Identitären der AfD haben Angst vor Traumata und Herpes an den Lippen des Volkskörpers“, ätzte sie in Richtung der Rechten.

Keine Spur von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit. Aber Harmonie gehört eben nicht unbedingt in den Landtag.

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