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Ein herber Verlust

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Von: Claudia Michels

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Judaisten trauern um Margarete Schlüter

Im Alter von 61 Jahren ist in der Nacht zum 3. November Margarete Schlüter gestorben, Frankfurts einzige ordentliche Hochschullehrerin für Judaistik. Der Tod der engagierten Professorin, hieß es im Frankfurter Jüdischen Museum, das eng mit dem Universitäts-Lehrstuhl kooperiert, "ist ein herber Verlust für die Judaistik - in Deutschland und der Welt".

Professorin Margarete Schlüter war seit 1994 Geschäftsführende Direktorin des Seminars für Judaistik. Ihr Schwerpunkt lag auf alter hebräischer Literatur. In diesem Semester hat sie noch die Vorlesung "Ethische und religiöse Prinzipien im (rabbinischen) Judentum" angeboten, die sie unter das Motto "Sei vorsichtig mit deinen Worten..." gestellt hatte. Nun trägt das Vorlesungsverzeichnis den Zusatz "Muss leider entfallen!" Das Seminar gedenkt seiner Leiterin in diversen Anzeigen "erschüttert und in tiefer Trauer".

Schlüter wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als sie durch unerschütterlichen Einsatz das Eingliedern des Judaistischen Seminars in ein Zentrum für Orientforschung in Marburg verhinderte. Das hatte die Hessische Landesregierung 2005 geplant. Schlüter kämpfte dafür, die Wurzeln des Seminars in der Frankfurter Jüdischen Geschichte und Gegenwart zu respektieren und klärte darüber auf, dass man sich "mit dem europäischen Judentum" und "nicht mit einer Regionalwissenschaft" befasse.

Kaum ein Forschungsvorhaben, eine Tagung oder Veröffentlichung zur kulturellen Entwicklung des Judentums, an der die Professorin nicht beteiligt gewesen wäre. 2006 war sie Mitherausgeberin einer Geschichte der Frankfurter Judengasse. "Eine Knochenarbeit", wie die Expertin damals freimütig bekannte.

Denn sie hatte "Hunderte handschriftlicher Seiten in Hebräisch oder Jiddisch" zur Frage entziffert, wie in dem von außen oft beschriebenen Ghetto die Juden selbst ihre Lage gesehen haben. Die Anschlusstagung "Ghettos im europäischen Vergleich" ist in Vorbereitung. Sie soll im Juni 2009 in Frankfurt stattfinden. Schlüter, die auch in der Kommission zur Geschichte der Frankfurter Juden einen Sitz hatte, war bis zuletzt beteiligt. "Sie ist im Dienst gestorben", hieß es unter Kollegen.

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