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Kulturpreisträgerin 2018, Maria Dorn aus Hanau vor ihren Werken "Borderline" I + II ihrer aktuellen Schau "Out Of The Box".

Main-Kinzig

Bildliche Paarbildung

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Maria Dorn zeigt skurrile bis poetische Momente in der Fotoausstellung "Out Of The Box". Sie erhält den Kulturpreis 2018 des Kreises.

Die Rothaarige und der sich zufällig in der Maserung eines Holzzauns abzeichnende Mund, passen zusammen, ebenso das Bild vom Hauseingang, von dem ein Kunstrasen dem Betrachter entgegen läuft. Ebenso auf dem Bild mit der Grabstelle, nur ist es dort richtiges Gras. Zwei Beispiele von auf den ersten, flüchtigen Blick ungleichen Paaren, die bei genauer Betrachtung doch Partner sind. Die Fotografin Maria Dorn zeigt derzeit in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe unter dem Titel „Out Of The Box“ ungeschönte Bilder, die zumeist auch semantische Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Schau ist nicht das Ergebnis eines Projektes. Zwischen den Aufnahmen liegen oft Jahre. Dorn wird am 13. November in Gelnhausen für ihr künstlerisches Schaffen seit mehr als 20 Jahren mit dem Kultur-Preis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet. Mit ihren Aufnahmen errang sie Auszeichnungen und bespielte viele Ausstellungen.

Das ungewöhnlich Schöne oder Schreckliche, dem die Fotografie oft hinterher rennt, spielt in Dorns Bildern keine Hauptrolle. Es sind eher ruhige Stimmungsmomente, poetische Augenblicke, die von den meisten Menschen ob der mutmaßlichen Gewöhnlichkeit vermutlich übersehen werden und erst recht nicht lohnenswert erscheinen, sie zu fotografieren, wie etwa der schief hängende Lampenschirm.

„Mich interessiert auch die bürgerliche Ordnung, die ästhetisch voll daneben ist“, sagt Dorn. Dazu zählen etwa das Haus an einer Dorfstraße mit seinem wie ein Fremdkörper an der schlichten Fassade hängenden Wintergarten oder der Warteraum im Gebäude des Flughafens Hahn, an dessen Wänden grell orangefarbene Gardinen hängen, gleichwohl dort keine Fenster sind. Diese Landschaften nehmen Dorns fotografische Aufmerksamkeit ein. Mit ihren Bildern will sie jedoch die Ästhetik keinesfalls bloß stellen, ein bisschen ironisch betrachten aber schon. Die Wahl-Hanauerin bezeichnet ihren Stil als „sachliche Dokumentarfotografie“, in der sich jedoch ihre eigenen Persönlichkeitsmerkmals widerspiegeln.

Es sei hingegen nicht ihre Art, ein Bild durchzukomponieren, gleich ob während oder nach der Aufnahme. Sie nimmt den Moment, wie er ihre Aufmerksamkeit genommen hat. Auf diese Weise schließt Dorn jeglichen Eingriff in das Motiv aus. „Ich will die Welt zeigen wie sie ist“, sagt sie. Dafür steht auch der Titel ihrer aktuellen Ausstellung. „Out of the box“ heißt fotografisch, das Bild so zu zunehmen, wie es die Kamera liefert - ungeachtet aller verführerischer Angebote einer elektronischen Bildbearbeitung. „Eine Nachbearbeitung gibt es nicht, höchstens ein minimaler Beschnitt des Fotos.“ Ein Standpunkt, den sie neben der Spontanität in ihrer Aufnahmen mit ihren Vorbildern wie Henri Cartier-Bresson oder Walker Evans teilt.

Maria Dorn, 1958 in Ingelheim am Rhein geboren, bezeichnet sich als ein spätberufene künstlerische Fotografin. Dental-Hygienikerin hat sie gelernt. Zur Fotografie kam sie aus familiären Anlass. „Ich habe mit der Kamera meines Mannes unsere Kinder portraitiert“, sagt sie. Die Aufnahmen fanden Beachtung und Dorn Spaß mit der Kamera zu arbeiten. 1990 eignete sie sich in VHS-Kursen fotografisches Grundwissen an, sechs Jahre später errang sie den 6. Platz beim  Wettbewerb „Blende“. Der Durchbruch kam in New York, wohin ihr Mann einige Jahre beruflich versetzt worden ist. „In den USA habe ich Sehen gelernt“, sagt Dorn. Das habe jedoch nichts mit New York selbst zu tun gehabt. „Ich hatte Deutschland zurückgelassen“, erklärt sie. Die neue Umgebung habe ihr ein höheres Maß an Bewusstsein geöffnet. Mit ihren Aufnahmen habe sie Zugang zu einer dortigen Fotografenvereinigung gefunden, die sie in die Gruppe der Professionellen einordnete. Eine amerikanische Fotografin sei sie aber nicht geworden.

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