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Helios-Klinik in Bad Schwalbach auf der Kippe

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Von: Jutta Rippegather

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Die Mitarbeiterin eines Krankenhauses (Symbolfoto).
Die Mitarbeiterin eines Krankenhauses (Symbolfoto). © Werner Krüper (epd)

Krankenhaus-Betreiber Helios beantragt die Schließungsprämie für Bad Schwalbach. Viele Betten bleiben leer.

Wieder droht einem hessischen Krankenhaus das Aus. Diesmal steht die vom Helios-Konzern betriebene Klinik in Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) auf der Kippe.

Vier weitere Krankenhäuser haben Anträge auf eine Konzentration gestellt, sagt Jochen Metzner, Krankenhaus-Experte des hessischen Sozialministeriums, der Frankfurter Rundschau. Das heißt, sie wollen wenig voneinander entfernte Standorte zusammenführen, sodass die Wege kürzer werden. Widerstand sei nicht zu erwarten, denn es falle nichts weg. Anders sieht es in Bad Schwalbach aus, wo Linke und SPD protestieren.

Das Haus in Bad Schwalbach sei verzichtbar. Nachdem die Fresenius-Tochter Helios 2016 erstmals mit ihren Plänen an das Land herangetreten war, habe das Ministerium die Folgen für die Bevölkerung intensiv geprüft. Ergebnis: Die flächendeckende Versorgung sei nicht gefährdet. „Deutlich unter 5000 Menschen“ müssten mit mehr als einer halben Stunde Fahrzeit zum nächsten Krankenhaus rechnen, sagt Metzner. Notfälle würden ohnehin schon in Häusern mit Intensivstationen in Rüdesheim, Wiesbaden oder Limburg versorgt. Eine Konzentration sei von Vorteil für die Patienten und politisch gewollt, so der Experte: „Wir haben ein Interesse an qualitativ hochwertiger Medizin.“

Eine endgültige Entscheidung über Bad Schwalbach ist noch nicht gefallen, informiert Helios-Sprecher Johann-Peter Prinz. „Wir warten weiterhin auf den Bescheid des Bundes zur Bewilligung der Schließungsmittel aus dem Strukturfonds.“ Gemeint ist eine Art Abwrackprämie, mit der Berlin den Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration von stationären Angeboten und die Umwandlung von Krankenhäusern fördert. Den Antrag dazu stellt das Land, das sich mit mindestens 50 Prozent der förderfähigen Kosten an dem Vorhaben beteiligen muss.

Wie viel Geld Helios für Bad Schwalbach bekommen kann, ist nach Angaben von Konzernsprecher Prinz offen. Nicht aber die Verwendung: „Zu 95 Prozent wird es genutzt, um einen Sozialplan zu erstellen, Abfindungen und Lohnfortzahlungen zu leisten.“ Eine Fortsetzung des Betriebs sei angesichts der umliegenden Konkurrenz unwirtschaftlich: Seit Jahren sei die Zahl der Patienten in Bad Schwalbach rückläufig. „Sie wählen zunehmend Krankenhäuser, an denen sie eine größere Bandbreite an Spezialisten vorfinden, bei denen Behandlungen mit größerer Häufigkeit durchgeführt werden und die über eine umfassende Notfall- und Intensivmedizin verfügen.“ Lediglich 15 Prozent der Patienten im Rheingau-Taunus-Kreis ließen sich in Bad Schwalbach behandeln. „Demzufolge sind von den bis zu 110 bereitstehenden Betten im Schnitt nur 42 belegt.“ Ein weiterer Grund sei der medizinische Fortschritt. Viele einst stationäre Behandlungen würden inzwischen ambulant erledigt.

Im Fall einer Schließung plant Helios, das Krankenhausgebäude vollständig weiter zu nutzen. Geprüft würden derzeit verschiedene Möglichkeiten, sagt Prinz. „Darunter die Ansiedlung einer bereits bestehenden psychosomatischen Klinik.“ Patienten empfiehlt er als Alternative, nach Idstein zu fahren oder in die Horst-Schmidt-Kliniken nach Wiesbaden. Auch die betreibt Helios.

2016 kam es in Hessen zu zwei Klinikschließungen: das Luisen-Krankenhaus in Lindenfels (Odenwald) und St. Rochus in Dieburg. Das Marienkrankenhaus in Flörsheim machte Ende September 2017 dicht. Jetzt noch Bad Schwalbach; mehr Kliniken stünden in Hessen derzeit nicht auf der Kippe, sagt Metzner.

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