Maintal

Helfer in der Fremde

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Der Arbeitskreis Asyl in Maintal besteht bereits seit fünf Jahren. Rund 150 Ehrenamtliche kümmern sich um die Geflohenen.

Auf dem großen Festbuffet geht es so zu, wie es im wirklichen Leben zugehen sollte – da liegen etwa ganz selbstverständlich Brezel dicht neben eritreisches Fladenbrot, die afghanische Kichererbsen-Süßigkeit Noqul neben den großzügig aufgeschnittenen Christstollen. Der Arbeitskreis Asyl Maintal feierte am Samstag sein fünfjähriges Bestehen. Aber auch, dass „aus vielen Fremden Freunde geworden sind“, sagte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos).

Die Ereignisse im Jahr 2015 waren im Gründungsjahr noch nicht absehbar, damals trafen aber schon Menschen ein, die vor dem Terror der Taliban in Afghanistan und dem erbarmungslosen Bürgerkrieg in Syrien hierzulande Schutz suchten und etwa eine neue Heimat in Maintal fanden. Der Arbeitskreis Asyl nahm sich dieser Menschen an, damit sie sich schnell in der hiesigen Gesellschaft einfinden, auch mit Deutschunterricht. „Wir sind ein Zusammenschluss Ehrenamtlicher aus vielen Institutionen in der Stadt und das ist bis heute so geblieben“, sagt AK-Sprecherin Christine Mayer-Simon. Mittlerweile zählen auch Flüchtlinge zu den stetigen Helfern, so in der wichtigen Funktion als Dolmetscher. Rund 150 Personen zählt der AK Asyl zu seinen regelmäßigen Aktiven. 2015, zur Hochzeit der Zuwanderung, waren es bis zu 300 Helfer. „Sie stehen noch in unserer Kartei, so dass wir den einen oder anderen bei Bedarf weiterhin ansprechen können“, sagt Mayer-Simon.

Obwohl die Gemeinschaftsunterkünfte in den Stadtteilen immer noch mit rund 500 Menschen voll belegt sind, hat sich laut Arbeitskreis die Situation entspannt. Das Deutschlernen stehe nicht mehr an erster Stelle. Beratung zu Ausbildungs- und Berufseinstieg, Schule oder bei einem abgelehnten Asylantrag füllen diesen Platz. Die Sprechstunde des AK sei daher gut gefragt.

Erfolgreich bei Ausbildungssuche

„In der Ausbildungssuche sind wir ziemlich erfolgreich. Zwölf junge Leute konnten wir in diesem Jahr in Betrieben unterbringen“, so Mayer-Simon. Beruf und Ausbildung bestimme zu 50 Prozent die Sprechstunden. Die Bemühungen sollen 2019 fortgesetzt werden. Berufsschullehrer helfen hierbei. Zurzeit werden in fünf Gruppen je sechs Teilnehmern für eine Berufsausbildung fit gemacht. Dazu zählten etwa in diesem Jahr fiktive Bewerbungsgespräche mit Personalverantwortlichen der Stadt Maintal. Zwei jungen Leuten wurde zudem ein Praktikum in der Verwaltung ermöglicht.

Das eigene Einkommen aus Arbeit steht nicht nur für mehr Freiheit, sondern nicht selten auch für ein anderes Lebensumfeld. Viele der anerkannten Asylsuchenden müssen wegen des leeren Markts an bezahlbaren Wohnungen in Maintal weiterhin in der Gemeinschaftsunterkunft leben. Das sei besonders problematisch, wenn nach der Anerkennung die Familie nachgeholt werde, so Mayer-Simon. Die jüngst gegründete städtische Baugesellschaft versucht Abhilfe zu schaffen, indem etwa im künftigen Baugebiet Eichenheege auch Mietwohnungen für Normal- und Geringverdiener entstehen. „Viele Zuwanderer wollen in Maintal bleiben, weil sie hier nach ihrer Ankunft gute Erfahrungen gemacht haben.“

Darauf ist auch Bürgermeisterin Böttcher stolz: „In Maintal hat es nie Anfeindungen gegen Flüchtlinge gegeben.“ In der Stadt lebten Menschen aus mehr als 130 Nationen friedlich zusammen, betont sie. Die Stadt unterstütze zudem die Arbeit des AK Asyl mit fünf Sozialarbeitern, die stets in den Gemeinschaftunterkünften präsent seien. Die Arbeit der Ehrenamtlichen sei sehr wertvoll, aber sie benötigten auch professionelle Unterstützung, so Böttcher. Aus der Kooperation sei das Maintaler Bündnis entstanden. „Es sind viele Anstrengungen unternommen worden, die aber auch Erfolge zeigen. Wir sind sehr froh darüber, wie sich die Situation in Maintal entwickelt hat“, sagt Böttcher.

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