In guter Gesellschaft

Cervantes, eine intellektuelle Freude

Das Institut, mit dem sich die Spanier jetzt in Frankfurt am Main ansiedeln, will das neue Jahrhundert ganz anders anfangen lassen.

Von MATTHIAS ARNING

Das 21. Jahrhundert fängt im Keller an. Ein großer Raum, den sich die Spanier in ihrem Instituto Cervantes erschlossen haben. Nach und nach, gar nicht ganz einfach gewesen, "alles war zugeschüttet", sagt Ignacio Olmos und deutet mit seiner Geste die Weite des Raumes aus. Eines hellen Raumes, großzügig wirkend, ein Raum, der seine Dimension über die Fenster gewinnt. Durch den möglich gewordenen Blick in den Garten von der neuen Bibliothek im Untergeschoss des ehemaligen Amerika-Hauses aus entsteht der Eindruck: Um das 21. Jahrhundert muss es gar nicht schlecht bestellt sein.

Zumal im Vergleich zu dem zurückliegenden Zeitalter, für das das Amerika-Haus in gewisser Weise typisch gewesen ist. Ein Zentrum der Kultur, in dem die Attitüde des Großmächtigen keinen Platz fand. Und das doch eher wie ein Ort des Rückzugs wirkte. Zumal nach dem 11. September, der überall auf der Welt aus US-amerikanischen Einrichtungen Bastionen machte.

Das Nachfolge-Institut, mit dem sich die Spanier jetzt in Frankfurt am Main ansiedeln, will das neue Jahrhundert ganz anders anfangen lassen. Impulse in diese Stadt bringen, ein Diskursforum sein, bewusst intellektuelle Fäden, die in dieser Stadt mancherorts kurz geraten scheinen, wieder in voller Länge entrollen.

Kein Zufall

Damit weiß sich das Cervantes-Institut in guter Gesellschaft. Schließlich ist es alles andere als ein Zufall, dass es an verschiedenen Ecken der Innenstadt mittlerweile intensive Bemühungen zur allmählichen Belebung des Kulturellen gibt, das Jammern über alte Zeiten am Institut für Sozialforschung leiser wird. Was nicht heißen soll: Zum Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es im wesentlichen intellektuelles Ödland, nein, aber es ist ein sicheres Zeichen dafür, dass mittlerweile in ein breiteres Bewusstsein gelangt - die Welt ist nicht erst seit dem 11. September 2001, sie ist seit dem 9. November 1989 eine andere. Und zwar: Eine ganz andere.

Bewusstsein des Bruchs

Das musste Folgen haben. Und so gründeten die Protestanten an zentraler Stelle auf dem Römerberg die Evangelische Stadtakademie Römer 9. Und so bemüht sich die Heinrich-Böll-Stiftung im Kunstverein darum, einen intellektuellen Austausch hinzukriegen. Und so setzt das Haus am Dom seit gut anderthalb Jahren unmittelbar in diese Stadtgesellschaft einwirkende Akzente.

Sämtliche Institutionen eint, dass sie sich bewusst der Stadt zu wenden, dass sie ein Bezugspunkt für Jedermann sein wollen. Sicherlich, daran lässt Ignacio Olmos keinen Zweifel, werde die Bibliothek in seinem Institut auch von Romanistik-Studenten genutzt, für die das Institut von der Goethe-Universität aus fußläufig erreichbar ist. Aber auch anderes Publikum erwartet Olmos, Frankfurter eben. Ihnen will "Cervantes" die Möglichkeit bieten, im Keller in Ruhe zu lesen, im Erdgeschoss in Ruhe zuzuhören, was auf der Bühne geschieht, und im Garten in Ruhe zu denken.

Denn sämtliche Einrichtungen verstehen die europäische Großstadt zu Beginn des neuen Jahrhunderts wie ein Labor: Was sich dort entwickelt und gedanklich durchsetzt, schafft es bis in die gesamte Republik. Und dass sich manches entwickeln und damit auch gedanklich durchsetzten sollte, steht für die Macher an diesen neuralgischen Punkten der Innenstadt außer Frage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare