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Der Landtag.

Gut gebrüllt

Heimatkunde

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Die AfD scheitert an Geografie, die Kanzlerin am Protokoll.Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Das politische Leben ist voller Pannen, Pleiten und Peinlichkeiten. Im Laufe der Sommerferien sind uns wieder einige aufgefallen. Hier kommen die beiden peinlichsten Fauxpas:

Platz 1 – die AfD-Fraktion. Das Hessen in den Grenzen von 1945 ist der AfD im hessischen Landtag offenbar nicht groß genug. Sie markiert ihre eigenen Grenzen.

Wie anders ist ihre Kleine Anfrage mit der Nummer 20/975 zu erklären? Die Abgeordneten Frank Grobe, Dirk Gaw und Klaus Herrmann fragen wegen eines Verbrechens nach und wollen erfahren, wie oft „Migranten“, „Flüchtlinge“ und „Asylanten“ solcher Delikte verdächtigt werden – was auch sonst. Die Straftat habe sich „im hessischen Kreuztal“ ereignet. Für diese Aussage müsste man die Grenze allerdings ein wenig verlegen. Denn Kreuztal liegt in der Nähe von Siegen auf dem Gebiet von Nordrhein-Westfalen – und gehört damit keineswegs zu Hessen.

Ausgerechnet die angeblich heimattreue Partei hat in Heimatkunde nicht richtig aufgepasst. Immerhin – so blickt die AfD über den Tellerrand hinaus.

Platz 2 – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nun blicken wir selber über den Tellerrand hinaus, bis nach Berlin. Dort feiert die hessische Landesregierung jedes Jahr ihr „Hessenfest“, und jedes Mal kommt die Kanzlerin und beißt in eine Ahle Wurscht. Sie sitzt dann eingerahmt zwischen Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundesratsministerin Lucia Puttrich, beide CDU, und da kann man schon vergessen, dass es „Hessenfest“ heißt und nicht „CDU-Fest“. So begrüßte die Kanzlerin stellvertretend für den hessischen Landtag einzig und allein den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Michael Boddenberg.

So berichtet es der FDP-Politiker Jörg-Uwe Hahn, Vizepräsident des Landtags, ärgerte sich über den politischen Fauxpas und richtete eine Kleine Anfrage an die Regierung. Bundesratsministerin Puttrich antwortete kühl: „Wen ein Gast begrüßt, liegt allein in seinem Ermessen.“

Wahrscheinlich hatte die Landesregierung selbst den Eindruck, dass sie bei einem CDU-Fest war. Wer sich die Fotos anschaut, die sie von dem Fest veröffentlichte, erblickt hessische und Berliner CDU-Größen und ein paar grüne Einsprengsel. Aber welche Gäste fotografiert werden, liegt wohl im Ermessen der Regierung.

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