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Heilbäder kämpfen mit Energiekrise

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Das Wasser einer Therme kommt warm aus der Erde - aber Ruhe- und Therapieräume müssen beheizt werden.
Das Wasser einer Therme kommt warm aus der Erde - aber Ruhe- und Therapieräume müssen beheizt werden. © dpa

Gerade in der kalten Jahreszeit suchen viele Menschen Erholung in der wohligen Wärme einer Therme. Doch die hohen Gas- und Strompreise zwingen viele Betreiber zum Sparen, manche müssen sogar schließen - auch in Hessen.

Thermalbäder und Thermen gelten als Aushängeschilder der Heilbäder und Kurorte – doch Energiekrise und Inflation haben ihren Betrieb massiv verteuert. Das stellt auch die Kommunen als Träger vor enorme finanzielle Herausforderungen. In Hessen mussten erste Einrichtungen bereits vorübergehend oder sogar ganz schließen, für weitere könnte dies bevorstehen. Der Deutsche Heilbäderverband schlägt Alarm und fordert rasche staatliche Hilfen, denn für Tourismus, Wirtschaft und medizinische Versorgung im ländlichen Raum seien Heilbäder von enormer Bedeutung.

In Bad Salzhausen im Wetteraukreis beispielsweise hatte kürzlich die Justus-von-Liebig-Therme nach längeren Diskussionen schließen müssen. Schon bisher sei in dem Bad ein Defizit von bis zu einer Million Euro jährlich aufgelaufen, nun wäre rund eine weitere Million Euro an Belastungen durch die Preissteigerungen für Gas und Strom zu befürchten gewesen, deshalb habe man die „Reißleine ziehen“ müssen, hieß es von dem Heilbad. Statt eines rund 50 Millionen Euro teuren Neubaus der Therme setzt die Kommune nun auf ein Vital- und Gesundheitszentrum, das auf dem gleichen Gelände entstehen soll.

Auch die Festspiel-Stadt Bad Hersfeld machte ihre Kurbad- Therme zum 1. November vorübergehend dicht: „Der Gasverbrauch soll drastisch gesenkt werden, damit für die nächste Heizsaison ausreichend Erdgas zur Verfügung steht“, heißt es auf der Homepage. Ein Wellnessbetrieb auf Sparflamme ist für die osthessische Stadt keine Option. Andere Einrichtungen versuchen, die Kosten durch verkürzte Öffnungszeiten oder eine zeitweise Schließung energieintensiver Saunabereiche zu drücken.

Auch mit Preiserhöhungen reagieren manche Anbieter. Doch das könnte auch Gäste vergraulen, die wegen der Inflationssorgen derzeit ihr Geld zusammenhalten und deshalb vielleicht wegbleiben – sodass die Bäder unter dem Strich nicht mehr einnehmen würden, sagt Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes.

Sie fürchtet eine Abwärtsspirale mit schlimmen Folgen für die Standorte: Wenn Bäder ihre Angebote einschränken oder gar ganz schließen müssen, treffe das auch die Rehakliniken sowie Hotellerie, Gastronomie und den Einzelhandel in den betroffenen Städten. Ein Niedergang wäre dann vorprogrammiert. Nicht zuletzt müssen betroffene Kommunen auch um ihre Prädikate als Heilbäder fürchten.

Die Thermen in Kurorten könnten die Wassertemperatur nicht einfach absenken, um Energie zu sparen, weil dann der gesundheitliche Nutzen der Heilquellen verloren gehe, etwa für Rheuma-Patienten, sagt Goertz-Meissner. Bei Thermalbädern kommt das Wasser zwar schon warm aus dem Boden, doch müssen auch Umkleide-, Ruhe- und Therapieräume geheizt werden, um die Wirkung ausschöpfen zu können.

Aus Sicht von Goertz-Meissner müssen deshalb die Gesundheitseinrichtungen der Kurorte dringend von dem geplanten Härtefallfonds profitieren. Bund und Länder hatten beschlossen, aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zwölf Milliarden Euro für Einrichtungen und Betriebe zur Verfügung zu stellen, die kaum Strom und Gas sparen können. Davon sollen acht Milliarden Euro an Kliniken und Pflegeeinrichtungen gehen.

Vor Corona hatten die gut 350 deutschen Heil- und Kurbäder zusammen rund 520 000 Beschäftigte – doch die Zahl sei schon während der Pandemie deutlich geschrumpft, weil der Betrieb zeitweise eingeschränkt werden musste und viele Beschäftigte abwanderten, sagt Goertz-Meissner. Deshalb würden dringend Fachkräfte wie Ärzte und Physiotherapeuten gebraucht. Zumal die Rehakliniken zunehmend auch eine wichtige Stütze bei der Versorgung der Long-Covid-Patienten seien, deren Zahl in den kommenden Jahren weiter anwachsen dürfte. Hinzu kämen die vielen Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen aller Altersgruppen, aber auch Menschen, die nach Unfall oder Operation wieder auf die Beine kommen wollen. Rehakliniken seien deshalb „systemrelevant“ und dürften bei den staatlichen Hilfen nicht erneut außen vor bleiben.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht von einer teils dramatischen Situation. Von Bäder-Schließungen betroffen seien vor allem Kommunen und Betreiber, deren Energie-Lieferverträge auslaufen und die neue Verträge zu teils exorbitant gestiegenen Preisen abschließen müssten. Das habe auch negative Auswirkungen etwa für das Schulschwimmen, die Vereine oder auch Programme für Senioren und Seniorinnen. „Deshalb ist es wichtig, dass alle kommunalen Verbrauchsstellen unter den Strom- und Gaspreisdeckel fallen“, so der Verband.

Auch er verlangte, dass betroffene Kommunen und ihre Einrichtungen in die Härtefallregelung und Hilfsprogramme einbezogen werden. „Bis zum Ausbruch des Ukraine-Krieges hatten die Kommunen insgesamt Energiekosten von rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Die drohen sich nun zu vervielfachen. Alleine das zeigt den enormen Kostendruck auf die Städte und Gemeinden.“

Die Hotellerie ist ebenfalls besorgt über die Lage – zumal die Betriebe selbst mit hohen Kosten zu kämpfen haben, wie Tobias Warnecke, Geschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, deutlich macht. Derzeit arbeite man intensiv an Lösungen, um die kalten Monate wirtschaftlich zu überstehen, etwa mit umfassenden Investitionen in Energiesparmaßnahmen. „Das allein wird aber nicht ausreichen, um die gigantisch gestiegenen Energiekosten zu kompensieren“, sagt Warnecke.

Erschwerend kämen die immer höheren Einkaufspreise bei Lebensmitteln und steigende Personalkosten hinzu. Eine aktuelle Dehoga-Umfrage zeige, dass sich ohne Entlastung 18,5 Prozent der Betriebe zur Aufgabe gezwungen sähen. Die Politik müsse daher jetzt liefern und Energiesicherheit für den Winter gewährleisten. „Es wäre völlig inakzeptabel, wenn einzelne Betriebe oder ganze Branchen in den Winterschlaf geschickt werden müssten“, so Warnecke. Christine Schultze, dpa

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