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Staatstheater Darmstadt.
Staatstheater Darmstadt. © dapd

Das Staatstheater Darmstadt begibt sich mit festlichem Furor in seine 180. Spielzeit - und lässt sich dabei von keinerlei Kürzungen aufhalten.

Von Natalie Soondrum

Es ist wieder ein dickes Heft geworden, die Broschüre für die Spielzeit 2011/2012 am Staatstheater Darmstadt. Und die festliche Stimmung, die die aktuelle Saison anlässlich seines 300-jährigen Bestehens begleitet, soll auch die kommende 180. Spielzeit prägen. Intendant John Dew und sein Generalmusikdirektor Constantin Trinks werden Wagners Ring-Tetralogie mit den Premieren von Siegfried (2. Oktober 2011) und der Götterdämmerung (16. Oktober 2011) komplettieren.

Ergänzend dazu zeigt das Schauspiel Friedrich Hebbels Trauerspiel „Die Nibelungen“ (Premiere 24. September 2011) unter der Regie von Axel Richter. Mit großer Lust stellte John Dew auch die Produktion „Aida“ vor. „Warum jetzt noch eine Aida, werden Sie sich vielleicht fragen“, bemerkte Dew und schob hinterher, dass man keinen Verdi, sondern das Musical von Elton John in das Programm aufnehme.

„Liebe in schweren Zeiten“

Ballettchefin Mei Hong Lin möchte den Fokus auf die „Liebe in schweren Zeiten“ richten: Sie wird sich an dem „fast mythischen Stoff“ Romeo und Julia versuchen. Für diese Produktion wird sie sich aber nicht der unendlich langen Prokofieff-Partitur bedienen. Sie hat den Komponisten Serge Weber gewinnen können, eine Partitur zu schreiben, die neue musikalische Akzente setzen will. Als zweites trauriges Liebespaar hat sie sich „Orpheus und Eurydike“ vorgenommen, allerdings in der Opernfassung von Christoph Willibald Gluck. Das Ballett Darmstadt wird so einmal mehr zu einer spartenübergreifenden Produktion mit dem Opernensemble beitragen (Premiere: 28. Januar 2012).

Fortgesetzt wird außerdem die Zusammenarbeit mit Johann Kresnik. Nach seiner „Ulrike Meinhof“ in der aktuellen Spielzeit wird ab April kommenden Jahres sein choreographisches Theaterstück „Sylvia Plath“ zu sehen sein, im Rahmen des Projekts zur Repertoirepflege des modernen Tanzes.

Auch die Sinfonie- und die Kammerkonzertreihen können sich sehen lassen: Am 1. Dezember wird die Gambistin Hille Perl mit ihrem Ensemble ein Konzert mit Alter Musik zur Weihnachtszeit mit der Sopranistin Anna Maria Friman geben. Und Konzertmeisterin Olga Pogorelova bestreitet als Violin-Solistin das fünfte Sinfoniekonzert mit George Alexander Macfarren, Bartók und Mendelssohn Bartholdy. Altbewährtes und Geheimtipps, Alte und Neue Musik, ein russischer Abend, die Auswahl ist groß.

"Wieder Fleißpunkte"

Schauspieldirektor Martin Apelt stellte fest: „Das Schauspiel bekommt wieder Fleißpunkte.“ Um den Zeitrahmen nicht zu sprengen, teilt er das Programm in Themenblöcke: Anlässlich von Georg Büchners 175. Todestages steht „Woyzeck“ nach dem Konzept von Bob Wilson mit Liedern von Tom Waits auf dem Plan, gefolgt von „Büchners Tod“ von Gaston Salvatore und einer Uraufführung von Peter Schanz über Büchners Schwestern Luise und Mathilde. Der zweite Themenblock beschäftigt sich „mit der aktuellen Situation des Theaters“, so Apelt: Angefangen mit Taboris „Die Goldbergvariationen“, Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ und einer Uraufführung von Urs Widmers „Das Ende vom Geld“.

Ja, das liebe Geld. Apelt sagte, dass man aufgrund der Kürzungen gar nicht wisse, wie manche Premiere aussehen solle. John Dew ergänzte, man sei in der absurden Situation, keine weiteren Vorstellungen anbieten zu können, da rabiat technisches Personal eingespart worden sei. Und das, obwohl das Theater die besten Besuchszahlen seit 19 Jahren vorweisen kann. Ansonsten aber machen die Darmstädter immer weiter, so lange der Vorrat reicht.

www.staatstheater-darmstadt.de

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