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Führung über die Baustelle des Rechenzentrums Frankfurt 4 von E-Shelter in Hattersheim.

Bauarbeiten

Erstes Rechenzentrum in Hattersheim ist fast fertig

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E-Shelter investiert 400 Millionen Euro in den Datencampus an der Voltastraße. Es gibt ein eigenes Umspannwerk.

Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) hat den Daumen oben und strahlt über das ganze Gesicht. Aus gutem Grund: Der größte Rechenzentrumsbetreiber der Region, E-Shelter, baut in Hattersheim einen riesigen Datencampus. Fünf Rechenzentren werden in den nächsten zwei Jahren im Gewerbegebiet „Südlich der Voltastraße“ hart an der Frankfurter Stadtgrenze entstehen. Das erste von ihnen ist fast fertig und soll im Frühsommer in Betrieb gehen.

400 Millionen Euro investiert E-Shelter am neuen Standort, errichtet auch ein eigenes Umspannwerk mit einer Anschlussleistung von 90 Megawatt. Der Standort heißt „Frankfurt 4“, und es stellt sich die Frage, warum die großen, fast fensterlosen, dunkelgrauen Gebäude nicht direkt in der Mainmetropole gebaut werden, wo der Name das doch suggeriert. Bauleiter Ulf Achenbach liefert dafür die Erklärung: Die Logistik in Hattersheim mit einem Autobahnanschluss in unmittelbarer Nähe sei „einfach paradiesisch“. Es gäbe ausreichend Platz auf dem 60 000 Quadratmeter großen Grundstück, das E-Shelter mit Unterstützung der Stadt kaufen konnte und die Baugenehmigung sei rasch erteilt worden. „In Frankfurt dauert das alles viel länger.“

Das Unternehmen Gegründetwurde E-Shelter von Rupprecht Mittweger im Jahr 2000. Das Unternehmen plant, baut und betreibt Rechenzentren an mehr als zehn Standorten in Europa.

Vor vier Jahrenwurde E-Shelter an den japanischen Telekommunikationskonzern NTT verkauft, der weltweit Rechenzentren betreibt.

In der Rhein-Main-Regionbetreibt E-Shelter bereits drei Standorte, darunter Europas größten Data Center Campus, Frankfurt 1 mit 60 000 Quadratmeter Technikfläche und den Campus Frankfurt 3 in Rüsselsheim. aro

Die fünf Rechenzentren, die in Hattersheim entstehen werden, sind nahezu baugleich mit denen an anderen E-Shelter-Standorten – in Hamburg, Berlin, München, Wien, Amsterdam, Zürich oder Rüsselsheim. Achenbach spricht von „Lean Construction Management“. E-Shelter sei aufgestellt wie ein Generalunternehmer, koordiniere selbst die Arbeit aller Zulieferfirmen und stimme die Gewerke akribisch aufeinander ab. Von zwölf auf neun Monate habe so die Bauzeit für ein Rechenzentrum reduziert werden können. Im Halbjahresabstand sollen die fünf Gebäude in Hattersheim fertig werden. Denn die Kunden – internationale Konzerne, Finanzdienstleister die öffentliche Verwaltung, Telekommunikations- und Cloud-Unternehmen stehen Schlange, um ihre Rechner und Server in den schmucklosen Hallen, die E-Suiten genannt werden, unterbringen zu können.

In Hattersheim wird im ersten E-Shelter-Rechenzentrum bald der Testbetrieb starten. Geprüft wird dann, ob die Kältemaschinen reibungslos arbeiten, die auf dem Dach stehen und für ein konstantes Klima in den Serverräumen sorgen. Ob die Notstromversorgung über Batterien und Dieselmotoren innerhalb von 30 Millisekunden anspringt, damit das Rechenzentrum bei einem Stromausfall nicht zusammenbricht. Und es muss sichergestellt sein, dass bei einem Brand Stickstoff aus Düsen strömt, um das Feuer zu löschen. Wasser würde einen viel zu großen Schaden an der hochkomplexen Technik anrichten. Alle Versorgungssysteme sind dabei doppelt angelegt. Nur so ist die maximale Betriebssicherheit des Rechenzentrums gegeben.

Bei einer Führung durch das fast fertige Gebäude aus Stahlbetonwänden mit Metallfassade zeigt Ulf Achenbach die Technikflure, in denen die dicken silbernen Lüftungsrohre an der Decke ein Designelement sind; Journalisten und Bürgermeister können einen Blick die 600 Quadratmeter großen Serverhallen werfen, in denen die grauen Betonstützen nicht gestrichen sind. Zu sehen gibt es auch das Kellergeschoss des Rechenzentrums mit nackten Betonwänden. 16-Zylinder-Motoren, wie sie auf Schiffen verwendet werden, stehen dort. In großen Tanks werden bald 100 000 Liter Diesel lagern und 300 Tonnen schwere Batterien in Regalen untergebracht. Vom US Green Building Council seien die Campus-Gebäude in Hattersheim für besonders nachhaltiges Bauen zertifiziert, berichtet E-Shelter-Technik-Vorstand Klaus Rudolph. Während der gesamten Bauphase werde der Abfall sorgfältig getrennt. Auch den hohen Stromverbrauch in Rechenzentren versuche man in den Griff zu bekommen. „Das ist ein Ziel, das seit Jahren weltweit verfolgt wird.“

E-Shelter baut den Hattersheimer Datencampus, stellt die technische Infrastruktur zur Verfügung und vermietet die Flächen. 24 000 Quadratmeter werden insgesamt zur Verfügung stehen. Anfang Juni soll das erste Rechenzentrum in Betrieb gehen. Ein Unternehmen aus dem angelsächsischen Raum wird als erstes seine Rechner hier aufstellen.

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