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Ein RMV-Fahrkartenautomat.

Verkehr

Harter Kampf um günstiges Ticket in Rhein-Main

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Der Großraum Frankfurt will als Modellregion eine besonders günstige Fahrkarte anbieten. Doch die Konkurrenz ist groß.

Bietet der RMV – mit Unterstützung der Bundesregierung – ein Jahresticket für 365 Euro an? Im Rhein-Main-Gebiet fordern das Politiker fast aller Parteien. Doch ob der Großraum Frankfurt vom Bundesverkehrsministerium als Modellregion für die preiswerte Fahrkarte ausgewählt wird, ist noch längst nicht sicher. Die Konkurrenz ist offenbar groß.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als RMV-Aufsichtsratschef und sein Stellvertreter Ulrich Krebs (CDU), Landrat des Hochtaunuskreises, hatten einen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschrieben. Darin bekundeten sie den Willen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, Teil eines bundesweiten Modellversuchs für ein 365-Euro-Jahresticket zu werden. Zuvor hatten sich Mainz und Wiesbaden als Modellregion ins Gespräch gebracht. Feldmann und Krebs finden allerdings, die gesamte Region müsse einbezogen werden. Auch aus praktischen Erwägungen heraus – etwa der Frage nach der räumlichen Gültigkeit des Tickets – wäre eine gemeinsame Bewerbung der Region im RMV-Gebiet sinnvoll.

Als Teil ihres Klimapaketes zur Reduzierung der CO2-Werte hatte die Bundesregierung beschlossen, zehn Modellregionen auszuwählen. In ihnen soll mit finanzieller Unterstützung aus Berlin getestet werden, wie sich die Auslastung von Bussen und Bahnen mit einer solchen Fahrkarte entwickelt und ob sich das preiswerte Ticket auch für die Verkehrsverbünde rechnet.

Derzeit seien Bewerbungen aber noch gar nicht möglich, auch der Zeitplan stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums am Freitag auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Pläne stoßen auf große Resonanz

Trotzdem stoßen die Pläne auf große Resonanz. Bewerben will sich etwa das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) unlängst erklärte. Auch in Brandenburg, Regensburg, Siegen und vielen anderen Städten und Regionen melden starke politische Kräfte Interesse an.

Damit sich die Rhein-Main-Region gegen die Konkurrenz durchsetzt, müsse sich der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) an die Spitze der Bewegung stellen, forderte der Frankfurter SPD-Chef Mike Josef am Freitag. Im Landtag wird schon länger über eine Jahreskarte für einen Euro am Tag diskutiert. Für Schüler gibt es sie bereits, für Senioren wird ein solches Ticket ab Januar angeboten.

Der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks sagte, das Vorhaben würde die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Region ernsthaft entlasten. Mit einem Ticket für diese Summe würde sich der geltende Preis für eine Jahreskarte in Frankfurt halbieren. Für die zahlreichen Pendler fiele die Entlastung noch deutlicher aus, sagte Jacks.

Die Grünen im Römer erinnerten daran, dass ihre Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg mit der Forderung nach einer preiswerten Jahreskarte schon in den OB-Wahlkampf 2018 gezogen war. Gleichzeitig müsse aber das Schienennetz ausgebaut werden. Die Linke im Stadtparlament erklärte, ein 365-Euro-Ticket wäre „ein wichtiger Schritt in Richtung Nulltarif“.

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