+
Ein kleines Päuschen mit Blick.

Ferien zu Hause

Flucht in die Wälder

  • schließen

Fernwandern boomt, Einsteiger finden im Spessart Möglichkeiten für kurze bis mittlere Touren. Wir geben Ihnen einen Überblick.

Ich bin dann mal weg – nein, nicht zum Zigarettenholen. Auf den Jakobsweg begab sich Komiker Hape Kerkeling und veröffentlichte vor zehn Jahren sein Buch darüber. 800 Kilometer war Kerkeling durch Nordspanien unterwegs. So viel Platz bietet der Spessart nicht, aber man kann ja auch erst mal bescheidener starten. Wer gerne Tageswanderungen in den Mittelgebirgen unternimmt, wird sicher schon deren Beschränkung bedauert haben: Den Zwang, zum geparkten Auto oder der Haltestelle des öffentlichen Verkehrs zurück zu kehren. Sicher, mit Bus und Bahn lassen sich auch Streckenwanderungen unternehmen, aber oft mit dem Nachteil, dass Anfang und Ende stark abfallen gegenüber dem eigentlichen Wanderteil im Wald. Denn man steuert dann die in der Regel nicht sehr idyllisch gelegenen Haltestellen an.

Fernwandern, Weitwandern, Trekking, welchen Namen man der Sache geben mag, es geht darum, Schritt vor Schritt zu setzen. So einfach kann Vergnügen sein. Tut man dies vom Sofa zum Kühlschrank, dann macht es dick. Geht man raus in die Natur und betreibt es den ganzen Tag lang, verschafft es ohne großen Aufwand Naturerlebnisse, Fettverbrennung, geistige Auszeit. Mehrere Tage am Stück, so mag man denken, ist das gleiche in Xxl. Tatsächlich kommt aber irgendwann der Punkt, an dem Neues entsteht. Das ist auf Eselsweg oder Birkenhainer Straße nicht anders als bei der Alpenüberquerung, auf dem Jakobsweg oder beim Trekking im Himalaya.

Man ist dann mal weg vom alltäglichen Leben, und das selbst dann, wenn man sein Telefon dabei hat. Die langsame, aber andauernde Fortbewegung in den wunderbaren Eichen- und Buchenwäldern des Spessarts entfernt die Gedanken von ihrem täglichen Strom und richtet die Aufmerksamkeit auf das direkte Umfeld. Das besteht aus Bäumen und dem Weg unter den Füßen. Gelegentlich kommen Tiere vorbei oder andere Wanderer, selten mal ein Gasthaus. Orte passieren Eselsweg, Birkenhainer Straße und Spessartbogen nur selten. Und weil die Funkverbindung immer mal fehlt oder keine schnelle Internetgeschwindigkeit bietet, wird selbst dieses Ablenkungspotenzial auf natürlichem Wege ausgebremst.

Die Auszeit schafft aber nicht nur Distanz zum Alltag. Sie kann auch die Nähe zum eigenen Körper verbessern, denn man erlebt dessen Funktionieren neu. Der Tagesmarsch der ersten Etappe ist schon vielen deutlich länger erschienen als jener am letzten Tag, selbst wenn die zurückgelegten Kilometer gleich waren. Die Leistungsfähigkeit verändert sich während einer mehrtägigen Wanderung. Und der geistige Abstand zum Alltag kann dazu genutzt werden, für offene Fragen eine Lösung zu finden. Schließlich waren viele große Denker auch große Geher.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare