Erste reguläre Plenarsitzung im hessischen Landtag
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Plenarsitzung im hessischen Landtag.

Kolumne

Handzeichen im Hessischen Landtag

Der verweigerte Handschlag ist politisch. Oder hygienisch. Die Kolumne aus dem Hessischen Landtag. 

Der Handschlag ist in Gefahr. Dabei besitzt er in der Politik so eine große symbolische Bedeutung wie keine andere Geste. Wer gibt wem die Hand, und wer verweigert wem den Handschlag? Das sind Fragen, die klare politische Botschaften enthalten.

Und jetzt das: In Zeiten von Corona kommt der Handschlag aus der Mode. Das ist in der hessischen Landespolitik nicht anders als im Verein, in der Schule, am Arbeitsplatz. Früher haben konservative Politiker, etwa der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière, den Handschlag zum Teil der „deutschen Leitkultur“ geadelt. Das war als Affront gegen Muslime gemeint, die Frauen nicht die Hand reichen. Nun aber greift die Verweigerung des Handschlags auch unter Verteidigern der Leitkultur um sich, mit Blick auf die Hygiene-Empfehlungen der Behörden.

„Ich mach mal so“, sagen manche und winken zur Begrüßung, verlegen lächelnd, statt die Hand zu geben. Das soll heißen: „Sie wissen ja, Corona und so.“

Andere, etwa Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), bevorzugen die Sportlerbegrüßung, Faust an Faust. Das bringt etwas Jovial-Jugendliches in die Politik.

Dann gibt es diejenigen, die sich auch in Ansteckungszeiten nicht vom Händeschütteln abhalten lassen. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) etwa reichte jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin die Hand, die zum Gespräch über Hilfen für die Opferfamilien von Hanau in die Wiesbadener Staatskanzlei gekommen waren. Was wäre das auch für ein Zeichen gewesen, diese Geste der Zuwendung ausgerechnet bei einem solchen Treffen auszulassen?

Im Nachbarland Thüringen sorgte der verweigerte Handschlag zwischen zwei Hessen in dieser Woche für Schlagzeilen – und der hatte nichts mit Ansteckungsgefahr zu tun. Dort nahm der frisch wiedergewählte Bodo Ramelow von den Linken, einst Gewerkschafter in Hessen, die Hand seines AfD-Widersachers Björn Höcke, Lehrer aus Hessen, nicht an. Dafür hatte er eine überzeugende Begründung. Er sei erst wieder bereit, Höcke die Hand zu reichen, wenn die AfD die Demokratie verteidige und nicht mehr mit Füßen trete.

Auch in der hessischen Politik gab es solche Momente. Vor der Landtagswahl 2008 verweigerte der Grüne Tarek Al-Wazir dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) vor laufenden Kameras den Handschlag. Al-Wazir war erbost darüber, dass die CDU Plakate im Land aufhängte, die mit den ausländischen Namen der gegnerischen Spitzenkandidaten Ressentiments weckten: „Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen“, lautete der Slogan.

Inzwischen regiert Al-Wazir seit sechs Jahren mit Kochs Nachfolger Volker Bouffier. Im guten Einvernehmen, das weit über einen freundlichen Handschlag hinausgeht.

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