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Ein Dachdecker bei der Arbeit in Oberursel (Symbolbild).

Wirtschaft

Handwerker machen sich rar

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Eine sehr hohe Auslastung der Betriebe führt zu Wartezeiten. Außerdem fehlen Fachkräfte. Bei den Flüchtlingen immerhin gibt es eine positive Entwicklung.

Wer kurzfristig einen Handwerker benötigt, sollte sich auf längere Wartezeiten einstellen. Denn die Auftragsbücher sind voll, und sie werden es wohl auch in diesem Jahr weiterhin bleiben.

Fast 90 Prozent der hessischen Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als „befriedigend“ oder sogar gut. „Im Bauhauptgewerbe, also bei Dachdeckern oder Maurern, sind es sogar 95 Prozent“, teilte Handwerkstag-Präsident Bernd Ehinger am Dienstag in Wiesbaden mit. Im Durchschnitt liege der Auftragsbestand bei mehr als acht Wochen, das ist so viel wie noch nie. So lange hätten die Handwerker auch ohne neue Aufträge zu tun.

Doch Ehinger konnte auch beruhigen. Wer einen Notfall habe, weil etwa die Wasserleitung undicht oder der Strom ausgefallen sei, erhalte auch künftig kurzfristig Hilfe. Auch Stammkunden könnten damit rechnen, mit ihren Anfragen nicht auf die lange Bank geschoben zu werden.

Insgesamt rechnet der Handwerkstag damit, dass im Jahr 2019 der Umsatz der insgesamt knapp 75 000 Betriebe um vier Prozent wachse, nach fünf Prozent im vergangenen Jahr.

Sorge bereite allerdings weiterhin der Fachkräftemangel. „Gerade im Nahrungsmittelhandwerk, aber auch bei Elektriker, Sanitär- und Klimatechnikern fehlt Nachwuchs“, beklagte Ehinger.

Laut Handwerkstag-Vizepräsident Wolfgang Kramwinkel hat sich der Anteil von Flüchtlingen bei der Zahl neuer Lehrlinge deutlich erhöht. Insgesamt seien im vergangenen Jahr gut 10 000 neue Lehrverträge abgeschlossen worden, fast 1300 davon mit jungen Menschen, die nach Hessen geflüchtet sind. Im Jahr 2017 waren das bei gleich hoher Zahl von Lehrverträgen noch gut 900 Flüchtlinge.

Ebenfalls mit Sorge betrachtet der Handwerkstag eine Entwicklung, die mit der Abschaffung der Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe im Jahr 2004 in Gang gesetzt worden ist. So sei allein im vergangenen Jahr die Zahl der Handwerksbetriebe mit einem Meister (wie etwa Tischler oder Fleischer) um 377 zurückgegangen, während gleichzeitig die Zahl der Betriebe, die ohne Meister geführt werden dürfen (wie Raumausstatter oder Fliesenleger), um mehr als 600 angestiegen ist.

Dieser „Strukturwandel“ habe zu weniger hochqualifizierten Fachkräften, weniger Ausbildung und mehr Klagen über Qualitätseinbußen geführt. So werden laut Kramwinkel 95 Prozent der Lehrlinge in Betrieben mit, aber nur fünf Prozent in solchen ohne Meister ausgebildet. Es sei nötig, wenigstens in einigen Berufen zur Meisterpflicht zurückzukehren, forderte Ehinger.

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