Zwei Bauarbeiter arbeiten im Gegenlicht auf einem Gerüst. (Symbolfoto)
+
Zwei Bauarbeiter arbeiten im Gegenlicht auf einem Gerüst. (Symbolfoto)

Handwerk in Hessen

Handwerker kommen bei Auftragsflut nicht mehr hinterher

Die ungebrochen starke Nachfrage nach Immobilien beschert Handwerkern in Hessen mehr Bestellungen als sie bedienen können. Das strapaziert die Geduld von Kunden.

Wegen des Baubooms müssen sich Verbraucher in Hessen auf lange Wartezeiten bei Handwerkern einstellen. Angesichts voller Auftragsbücher könnten etwa Maler, Heizungsbauer oder Dachdecker Anfragen nur mit Verzögerung bedienen, sagte Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, der Deutschen Presse-Agentur. „Bei Neubauprojekten müssen Kunden mit sechs bis acht Wochen Vorlaufzeit rechnen.“ Der Norden Hessens sei dabei ebenso betroffen wie der Süden. Im Straßen- oder gewerblichen Hochbau hätten Handwerker indes noch Kapazitäten.

Eine schnelle Entspannung der Lage erwartet Gringel nicht. In Notfällen würden Anfragen aber schnell bedient. „Wenn zum Beispiel die Heizung ausfällt, funktionieren die Notdienste“.

Das hessische Handwerk profitiert schon länger vom Bauboom und hatte zuletzt von der besten Geschäftsstimmung seit mehr als 20 Jahren berichtet. Wegen der niedrigen Zinsen und der historisch guten Lage am Arbeitsmarkt kaufen oder sanieren viele Menschen Immobilien.

Nun würden auch Baumaterialien knapp, sagte Gringel. „Es gibt beispielsweise nicht genug Dämmstoffe, Fenster und Türen am Markt, da die Nachfrage zu groß ist.“ Zudem mangele es an Fachkräften, da sich zu wenige junge Menschen für ein Handwerk interessierten. „Immer mehr wollen studieren, anstatt eine Ausbildung zu machen“, kritisierte er. Und wegen hoher Auflagen für Firmen und einem teils „enormen bürokratischen Aufwand“ gehe kaum noch jemand in die Selbstständigkeit. „Früher etwa gab es noch in fast jedem Dorf einen Maurerbetrieb“. Das sei heute nicht mehr so, auch weil Fertighausanbieter den privaten Wohnungsmarkt bestimmten.

Um Verzögerungen beim Bau zu bekämpfen, müssten öffentliche Projekte besser koordiniert werden, forderte Gringel. Manche Maßnahmen könnten etwa auf den saisonal schwächeren Winter verschoben werden. Zu steigenden Preisen wegen der Auftragsflut komme es aber nicht in der Breite. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare