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Mitglieder der Einhard-Stiftung beklebten ein Seligenstädter Ortsschild demonstrativ mit dem Namenszusatz „Einhardstadt“.

Einhardstadt

Seligenstadt: „Konspirative“ Aktion am Ortsschild

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Mitglieder der Einhard-Stiftung kleben eine Folie mit der Aufschrift „Einhardstadt“ auf eines der Ortsschilder von Seligenstadt – ohne, dass der Bürgermeister davon weiß.

Seligenstadt - Es ist eine Nacht-und-Nebel-Aktion am helllichten Tag: Drei Männer bekleben eines der Ortsschilder von Seligenstadt mit dem Zusatz „Einhardstadt“. Die Aktion sei nicht genehmigt, geben sie zu, „aber hoffentlich zielführend“. Ihr Ziel: Den Bürgermeister dazu bewegen, endlich diese Zusatzbezeichnung auf den Ortstafeln anbringen zu lassen.

Einhard

Einhard verfasste die „Vita Karoli Magni“, die einzige Biografie des fränkischen Kaisers Karl der Große.

Der Gelehrte und Laienabt wurde um 770 in Maingau geboren und war Vertrauter und Berater Karls des Großen. Er war mit der Errichtung zahlreicher Bauten des Herrschers betraut – unter anderem mit der Rheinbrücke zwischen Mainz und Kastel, der Pfalzen zu Ingelheim und Aachen sowie der Pfalzkapelle zu Aachen.

Im Jahr 840 verstarb Einhard im Kloster Obermulinheim, dem heutigen Seligenstadt. ann

Einer der „Täter“ der konspirativen Aktion ist durchaus prominent: Aloys Lenz saß früher für die CDU im Landtag. Er wohnt zwar in Großkrotzenburg, ist aber Vorsitzender der Seligenstädter Einhardstiftung, die 70 Mitglieder hat und alle zwei Jahre einen mit 10 000 Euro dotierten Biografiepreis verleiht.

Karl Wolf, der dem Stiftungsvorstand angehört, hat acht Klebefolien mit der Aufschrift „Einhardstadt“ in der Hand – von denen allerdings nur eine einzige zum Einsatz kommt. „Die acht Stück habe ich bezahlt; die kann die Stadt gegen Ausstellung einer Spendenquittung haben“, sagt er. Damit es keine Anzeige gibt, seien die Folien rückstandslos entfernbar, sagt Julian Kreis, der Dritte im Bunde, der in der Firma von Wolf ein duales Studium absolviert. „Vielleicht gelingt es uns so, den Bürgermeister zum Handeln zu bewegen“, sagt Lenz. Es sei nämlich schon sechs Monate her, dass Innenminister Peter Beuth der Stadt in einem Festakt die Urkunde verliehen hat, die es ihr erlaubt, den Namenszusatz „Einhardstadt“ zu führen. „Einhard ist eine Identifikationsfigur in Seligenstadt“, erklärt er.

Lenz zieht einen Vergleich mit Hanau. Dort hatte der damalige Innenminister Volker Bouffier die Bezeichnung „Brüder-Grimm-Stadt“ genehmigt – und schon 14 Tage später waren alle Ortsschilder entsprechend beklebt. „Das hat Auswirkungen bis in die Wirtschaft“, sagt Lenz.

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