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Handel: Viele inhabergeführte Läden in Hessen vor dem Aus

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Kleinere Geschäfte haben es zusehends schwer, sich gegen Ketten und den Online-Handel zu behaupten. Angesichts des Ladensterbens denkt die Politik über ganz neue Schritte nach.

Die Zahl der inhabergeführten kleineren Läden in Hessen wird in den kommenden Jahren weiter sinken. Davon gehen Makler, aber auch Handelsvertreter aus. Besonders große Schwierigkeiten haben nach Beobachtung von Aniko Korsos, Einzelhandelsexpertin beim Maklerhaus JLL, inhabergeführte Bekleidungsgeschäfte. Der Onlinehandel nehme Boutiquen immer mehr Umsatz ab. Zudem seien die Margen angesichts des herrschenden Preiskampfes sehr gering, die Mieten seien aber immer noch hoch. Viele Geschäftsinhaber scheiterten zudem bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger.

Auch Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, rechnet damit, dass sich das Ladensterben in den Städten fortsetzt. Beim inhabergeführten Einzelhandel handele es sich zum größten Teil um kleine Geschäfte mit weniger als 20 Beschäftigten. Diese treffe der Strukturwandel in der Branche, also etwa die Veränderung des Kundenverhaltens und die Digitalisierung wie die großen Ketten. Die kleineren Läden aber hätten es zum Beispiel deutlich schwerer als die Filialisten, für die Kunden digital sichtbar zu sein. Im Schnitt nutzten diese weniger Kanäle für Marketing und Werbung, seien etwa in geringerem Maß in sozialen Medien präsent. Sie hätten zudem noch größere Probleme als die großen Unternehmen, qualifiziertes Personal zu finden, und sparten teils an Weiterbildung und Schulungen für die Beschäftigten.

Rohde sieht die Entwicklung durchaus mit Sorge. Gerade inhabergeführter Einzelhandel sei für lebendige Stadtzentren wichtig, sagt er. Und das nicht nur der Vielfalt wegen. Inhaber, die ihre Läden teils seit Generationen betrieben, seien oft sehr in ihrer Stadt verwurzelt und engagierten sich für den Standort.

Mietpreisbremse für Läden?

Rohde warnt davor, die Probleme des inhabergeführten Einzelhandels zu sehr mit dem Wachsen des Onlinehandels zu erklären. Das Ladensterben in den Innenstädten habe schließlich viel früher begonnen. Ein großer Fehler sei es etwa gewesen, den Bau von Einkaufs- und Fachmarktzentren auf der grünen Wiese zu erlauben. Scharf kritisiert Rohde denn auch die geplante Verdoppelung der Einkaufsfläche des Mode-Outlets FOC Montabaur jenseits der Landesgrenze. Denn die werde etwa den Einzelhandel in Limburg, der bisher gut und gesund sei, massiv unter Druck setzen.

Positiv beeinflussen könnten die Kommunen die Situation des Einzelhandels, indem sie die Aufenthaltsqualität in den Zentren erhöhen, sich selbst in Szene setzen, sagt Rohde. Er hielte es zudem für sinnvoll, dass Kommunen Eigentum in den Einkaufsstraßen erwerben, um Flächen gezielt günstig vermieten zu können. Von dem Berliner Vorstoß, auch die Mieten für Büro- und Geschäftsräume mit einer Mietpreisbremse zu begrenzen, hält Rohde dagegen nichts. Solch eine Regulierung gehe zu weit, sagt er. Auch Korsos warnt vor einem Eingreifen des Staates. Zumal die Miethöhe sich selbst reguliere, teils bereits sinke.

Das Frankfurter Planungsdezernat beschäftigt sich mit Wegen, eine Vielfalt im Einzelhandel zu bewahren. „Wir sehen schon, dass es für manche Läden schwierig ist, sich zu halten“, sagt Mark Gellert, Sprecher von Dezernent Mike Josef (SPD). Daher werde man etwa bei der Entwicklung neuer Quartiere Wert auf eine möglichst große Mischung legen. Dazu prüfe man, einen Teil der Gewerbe- und Ladenflächen in den Erdgeschossen für günstige Mieten an kleinere Geschäfte oder auch an Handwerker zu vergeben.

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