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Handel vermisst Unterstützung

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Von: Patrick Eickhoff

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Hier sind bis zum September noch Turnschuhe, Laufkleidung und Co angeboten worden. Nun ist der Laden an der Frankfurter Straße geschlossen. eickhoff (2) © Patrick Eickhoff

Die Frankfurter Straße ist das Herz Bad Vilbels. Gastronomen an nahezu jeder Ecke, große Modegeschäfte, kleine Läden. Auf der langen Straße gibt es alles, was das Herz begehrt. In den vergangenen Monaten sprießen nicht nur die Friseurgeschäfte - mittlerweile sind es mehr als zehn - aus dem Boden. Es stehen auch einige Läden leer. Mit Depot und Görtz verlassen gleich zwei echte Riesen den Niddaplatz.

So mancher Vilbeler ist in Sorge. Verliert Bad Vilbel an Attraktivität?

Monika Delazer hat Ende September ihr Geschäft „Delazer World of Sports“ geschlossen. Sie sagt: „Die Schließung hat private Gründe. Wirtschaftlich waren wir sehr zufrieden. Bad Vilbel ist ein guter Standort.“ An Attraktivität habe Bad Vilbel nicht verloren. „Die Kunden sind nach wie vor gekommen.“ Das betont auch Carsten Witteck, der das Café „Baristro“ aufgemacht, mittlerweile aber wieder geschlossen hat. „An Corona oder zu wenig Kunden lag das allerdings nicht“, sagt er. „Die Stadt macht zu wenig, um Einzelhandel und Gastronomie zu unterstützen.“ Er habe damals bewusst an die Frankfurter Straße gewollt, jetzt werde sie immer unattraktiver. „Mit der Attraktivierung der Frankfurter Straße hatten viele monatelang eine Baustelle vor der Tür. Das Sommergeschäft war tot. Jetzt soll im kommenden Jahr wieder eine kommen. Es müsste da viel mehr Unterstützung geben.“ In anderen Städten werde mehr Hand in Hand gearbeitet. „Bad Vilbel ist ab 22 Uhr leer. Da geht nichts mehr.“ Witteck will deshalb in Frankfurt ein neues Café aufmachen.

Das „Abendprogramm“ an der Frankfurter Straße zentriert sich auf dem hinteren Teil. Dort haben sich Jochen Lukarsch, Gian Pöschko, Alfred Di Rienzo, Frank Hussendörfer, Daniel Hertzog und Tim Wegge zusammengeschlossen und aus der Altstadt eine Marke gemacht - inklusive regelmäßiger Veranstaltungen. „Genusserie“-Inhaber Tim Wegge sagt: „Es stimmt, dass hier mehr los ist als am anderen Ende. Wir versuchen viel gemeinsam auf die Beine zu stellen.“ Er wünscht sich mehr Zusammenhalt und vor allem „mehr Marketing“.

Das würde sich Natascha Schmidt, Inhaberin des Benetton-Geschäfts, auch wünschen. Der Laden schließt demnächst. „Danach soll ein anderer Laden mit neuem Konzept eröffnet werden“, sagt sie. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Corona, Krieg, Inflation - aber natürlich auch die Dauerbaustelle.“ Das betreffe sowohl die S6 als auch die Frankfurter Straße. Schmidt, weiß wovon sie spricht, hat auch Läden in Bad Nauheim und Friedberg. In Nauheim ist sie Vorsitzende des Gewerbevereins. „Bad Vilbel bietet mit am meisten Potenzial. Das wird allerdings nicht genutzt. Jetzt werden noch die Bürgersteige gemacht“, bedauert sie. Sie hätte sich mehr Unterstützung gerade in der Corona-Zeit gewünscht. „In Bad Nauheim war die Zusammenarbeit aller groß. In Bad Vilbel ist der letzte verkaufsoffene Sonntag beispielsweise ewig her.“

Metzgerei-Inhaber Jochen Lukarsch versteht diese Argumentation. Er ist Vorsitzender des Vilbeler Gewerberings. Der wurde 1975 gegründet und zählt über 100 Mitglieder. Lukarsch sagt: „Wichtig ist erst mal, dass niemand Bad Vilbel verlässt, weil die Zahlen nicht stimmen.“ Dennoch nehme er die Entwicklung an der Frankfurter Straße wahr. “Es gibt derzeit einen Wegfall von inhabergeführten Geschäften.“ Lukarsch ist froh, dass für das große Geschäft am Niddaplatz, wo Depot auszieht, eine gute Nachfolgerlösung gefunden sei. Welche, das wolle er nicht mitteilen. Er kann verstehen, wenn Läden nicht direkt vermietet würden. „Wir haben eine Energiekrise. Es ist nicht die Zeit, in der Leute Cafés aufmachen.“ Es sei viel Positives in den vergangenen Jahren passiert. Lukarsch sagt, dass es unbedingt einen Citymanager brauche. „Die neue Mitte, aber auch der Bereich in Richtung Südbahnhof muss belebt werden.“ Es gründe sich derzeit eine Gruppe aus Gewerbering, Stadt und Stadtmarketing. Lukarsch hat aber noch einen Wunsch. „Es wäre schön, wenn auch die Vermieter mitdenken und vielleicht mit den Gewerbetreibenden gemeinsam Lösungen entwickeln, bevor sie einfach den nächsten Friseur reinlassen.“

Die Stadt beobachtet die Entwicklung ganz genau. Bei Vermietungen könne die Stadt leider nicht eingreifen, teilt Stadtpressesprecher Yannick Schwander mit. Die Stadt möchte mit Gewerbering und Stadtmarketing gemeinsame Schritte besprechen, damit die Bad Vilbeler Innenstadt attraktiv bleibt. Ein Citymanager solle kommen. Einen genauen Zeitplan gebe es allerdings nicht.

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Hier läuft der Ausverkauf. Die Nachfolge ist gesichert. © Patrick Eickhoff

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