Corona-Pandemie

Hanau stattet Busse mit UV-Filtern aus

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Aufgerüstete Lüftungen sollen Corona-Viren in der Luft unschädlich machen.

Die Stadt Hanau will mit Hilfe von UV-Technik verhindern, dass sich das Corona-Virus in ihren Bussen ausbreitet. Dazu werden bis Jahresende in 15 Bussen der städtischen Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) die Lüftungen aufgerüstet. Die in lediglich sechs Wochen zusammen mit der HSB entwickelten UV-C-Geräte, die jetzt in einen ersten Bus eingebaut wurden, stammen von Heraeus Noblelight. UV-C-Strahlung ist ein energiestarkes Licht, das teilweise zur Desinfektion von Luft und Oberflächen eingesetzt wird.

Die Lampen machten „Viren und Bakterien mit einer Wirksamkeit von 99,99 Prozent unschädlich – auch den Covid-19-Erreger“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, Martin Ackermann. Das werde durch Studien der Universitätsklinik Tübingen und der Boston University belegt, so Ackermann. Die Technologie habe unter anderem Tests des VDE-Instituts bestanden. In einem Strömungslabor simuliere Heraeus den Luftdurchsatz der Geräte. So lasse sich sicherstellen, dass die Luft richtig eingesaugt, gereinigt und wieder herausgeblasen werde. Die Technik eigne sich für alle Bustypen.

Unumstritten ist die Höhe der Wirksamkeit von UV-C-Strahlen gegen Coronaviren allerdings nicht. So fanden beispielsweise Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen zwar heraus, dass neun Minuten Bestrahlung mit dem Licht reichen, um mehr als eine Million Sars-CoV-2-Viren zu vernichten.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfahl Ende September jedoch, UV-C-Desinfektionsgeräte nicht zu überschätzen. Es brauche weitere belastbare Forschungsergebnisse.

Nach eigenen Angaben ist Hanau die bundesweit erste Stadt, die Busse mit solchen Filtern ausstattet. Sie kooperiert mit dem hier angesiedelten Konzern Heraeus, um ihre Fahrzeuge und Räume zu entkeimen. Die Sparte Heraeus Noblelight bietet Speziallichtanwendungen an. Das UV-Licht helfe, um den Schutz der Bevölkerung zu verbessern, sagt OB Claus Kaminsky (SPD). Als Allheilmittel betrachte er es aber nicht. So soll es auch in den Bussen bei der Maskenpflicht und dem Abstandsgebot bleiben.

Derzeit wird eine Nutzung in Schulen vorbereitet, auch Geschäfte, Praxen und Behörden kämen in Frage. Die Stadtwerke Hanau desinfizierten in ihren Wasserwerken Trinkwasser bereits mit UV-Lampen statt mit Chlor. Die Strahlung sei frei von Chemikalien und verändere den Geschmack des Wassers nicht, anders als Chlor. Laut Heraeus wird UV-Licht seit Jahrzehnten auch in Flughäfen eingesetzt, um die Luft zu reinigen, oder um Verpackungen zu desinfizieren.

Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau teilt HSB-Sprecher Joachim Haas-Feldmann mit, dass der Preis für ein Gerät bei 1300 Euro liege und drei bis vier davon pro Solobus notwendig seien. Hanau solle einen „bisher nicht näher bezifferten Rabatt“ bekommen.

Auf die Frage, ob andere, eventuell günstigere Alternativen geprüft worden seien, heißt es, Heraeus habe seine Technologie vor anderen Firmen angeboten. Deren Lösungen erforderten jedes Vierteljahr einen Filterwechsel. Auf Dauer rechneten sich die UV-C-Lichtreiniger in jedem Fall, da pro Filterpaket jährlich mit 700 Euro Mehrkosten zu rechnen sei.

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