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Ursula Reindell zeigt bis 24. März in der Remisengalerie des Hanauer Kulturvereins facettenreiche Frauenbilder der Moderne.

Kunst

Tradition und Provokation in Hanau

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Der Kulturverein zeigt eine Ausstellung mit Werken von Ursula Reindell unter dem Titel„Frau im Wechselspiel der Moderne“.

Frauentypen zeigt der Hanauer Kulturverein in einer aktuellen Schau unter dem Titel „Frau im Wechselspiel der Moderne“. Es sind Arbeiten von Ursula Reindell, die sich seit Jahren dem Thema auf eine vielfältige Weise annimmt und dabei so manche gesellschaftliche Facette auslotet, vom konservativen Frauenbild der Mutter mit Kind oder der Großmutter, hin zum erotisch, provokativen Wesen. Sie will das Gefühl des Betrachters berühren. In ihren Werken geht Reindell auch der Frage nach, in wie weit sich Frauen selbst verwirklichen, sie den Mut aufbringen, sich dem Patriarchat zu entziehen. Dies gelte auch für den immer noch sehr von Männern dominierten Kunstbetrieb, sagt Reindell. Sie ist Jahrgang 1946 und spricht daher nicht nur über die Gegenwart. „Ich habe mich jedoch immer selbst verwirklichen können“, betont sie.

Reindell studierte in Mainz und Hamburg Kunst. Nach der Heirat wechselte ihr Lebensmittelpunkt zwischen Deutschland, Thailand, Philippinen und Sri Lanka. Mit ihren Arbeiten wurde sie nicht nur hierzulande etwa in Berlin, Hamburg oder München bekannt, auch in Bulgarien, Italien, Frankreich oder China. Seit 2007 wohnt sie wieder in ihrer Geburtsstadt Bad Kreuznach. Die Vielfalt der Kulturen, die Reindell in dieser Zeit erlebt hat, findet sich in ihren Bildern wieder - als Thema oder in der Ausführung.

Von besonderer Auffälligkeit sind hierbei die Lacktafelbilder. Die Technik hat sie in Vietnam bei dem renommierten Künstler Fam Luc gelernt. Die Portraits mit den Titel wie „Eifersucht“, „Die junge Geliebte“ oder „Die Geburt Europas“ erscheinen mit einer ungewöhnlichen Brillanz. „Die Bilder entstehen durch das Auftragen von bis zu einem Dutzend Schichten Lack, der aus einem Baumharz gewonnen wird“, sagt Reindell. In diese Ebenen bringt sie zerdrückte Eierschalen, die Stoff von Kleidung und Hintergründe eine Gegenständlichkeit geben. Verstärkt wird dieser Effekt mit dem Einlegen von hauchdünnen Silberplättchen, die unter dem farbpigmentfreien Lack wie Blattgold wirken. Blattsilber nutzt Reindell auch in einigen ihrer anderen Werke etwa in Mischtechnik und Monotypie. „Damit lassen sich verschiedene Bildtiefen und -überlagerungen sowie Durchsichten von Farbschichten erzeugen“, erläutert sie.

Die Ausstellung präsentiert mehr als 50 Objekte, darunter Terrakotta- und Raku-Plastiken. Das klassische Handwerk einer Porträtistin setzt sie nicht um. Ihre Darstellungen spannen einen künstlerischen Bogen vom Expressionismus bis zur Abstraktion. Das Naturalistische ist ihr zu oberflächlich, um darin Botschaften zu verbergen, die nicht selten ein bisschen satirisch sind wie die Plastik einer drallen, in der Lebensblüte stehenden Nackten. Der Tod zerrt an sie als dürrer Schwächling. Das Bildnis willensstarker Frauen zeigt sich auch in der Monotypie „Catwalk“. Reindell erzählt, dass ihre Tochter hierzu den Anstoß gegeben habe, sie ist Modedesignerin.

Die Begriffspaare Schönheit und Vergänglichkeit verwendet Reindell ebenso, zum Teil in Anleihe alter niederländischer Meister des Stilllebens, die etwa die Stadien einer Blume als Analogie zur Vergänglichkeit nutzten. Bei Reindell ist es etwa die Rose.

Als Sinnbild der Wandlung zeichnet sie Frauen in langen, schlanken Kokons, betitelt mit „Flügelschlag“ und Spiegelung“. Die Künstlerin zeigt aber auch die Frau, die mit ihrer Erotik machtvoll provoziert: Highheels-Plastiken aus verschiedenen Materialien mit extra hohen, zum Teil Bleistift dünnen Absätzen. Der Schuh deformiert wie vielleicht mancher Fuß darin. „Man hört förmlich das harte, laute ‚Klack, Klack‘, wenn die Frau damit selbstbewusst über die Straße geht“, sagt Reindell.

Frau im Wechselspiel der Moderne – Ursula Reindell, bis 24. März, Remisengalerie am Schloss, Philippsruher Allee, Öffnungszeiten: samstags und sonntags von 14-17 Uhr. Eintritt frei. www.art-reindell.de

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