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Schnörkellose Eleganz, eine um 1925 aus Messing und Holz gefertigte Teegarnitur um 1925 aus Frankreich. Goldschmiedehaus/Knud Schöber

Ausstellung

Die Hanauer Metallästheten

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Das Goldschmiedehaus präsentiert eine Schau zu Messinggeräten aus der Zeit des Jugendstils und der Neuen Sachlichkeit.

Bei 70 Prozent Kupfer und 30 Anteilen Zinn erhält es den Glanz und die warme Farbe von Gold – Messing. Was sich daraus an kunstvollem Gerät herstellen lässt, ist aktuell im Deutschen Goldschmiedehaus unter dem Titel „Die Metallästetheten. Reformer und ihre Entwürfe aus Messing vom Jugendstil bis zur Neuen Sachlichkeit“ zu sehen. Exponate letzterer Stilrichtung stellen auch eine Hommage an das Bauhaus dar, das vor 100 Jahren gegründet worden ist. Gezeigt werden 80 Leihgaben aus der Sammlung des Brass Collectors Club Germany. Die Ausstellung präsentiert ein Portfolio von knapp 20 Künstlern und Firmen.

Der Luxus ausstrahlende Glanz findet sich zum Teil in der Funktion der Objekte wieder. Sektkühler, Weinkannen sowie Kaffee- und Teekannen samt Stövchen, Tablet und Tassen für den besonderen Anlass und prachtvolle, aber in ihrer Form ästhetisch schlicht gehaltene Lampen und Kerzenhalter bilden den Schwerpunkt. Die Vielfalt der Formen und deren Ausgestaltung dokumentieren die Design- entwicklung vom arabeskenhaften Jugendstil zur klaren, schnörkellosen Formensprache der Neuen Sachlichkeit, die sich, im Sinn der Bauhäusler, auch als gesellschaftlichen Aufbruch in die Moderne verstand.

Der Niederländer Henry van de Velde, studierter Maler und Grafiker, liegt mit seinen Arbeiten zwischen den beiden Stilrichtungen. Die glatten Formen, an denen nur das Nötigste hervorsteht wie bei einer windschnittigen Autokarosserie, weisen lediglich minimale Zitate des Jugenstils auf. Auch geht er mit dem Material so um, dass es eine Leichtigkeit ausstrahlt. Die Weinkanne oder das Kehrblech wirken wie aus einem Bogen Papier geformt. Die wunderbare Erscheinung der bloßen Form mit asketischer Einbringung von Zierrat zeigen ebenso Geräte aus der Werkstatt von Hayno Focken, Zündholzschachtelhalter oder Tintenfass mit Ablage. Seine Arbeiten waren nicht selten Unikate.

Der Zeitgeist des Designs - sei es der Jugendstil und darauffolgend die Neue Sachlichkeit - findet sich nicht nur in Einzelstücken oder Kleinserien wieder, sondern ebenso im Massenprodukt - wenngleich im gehobenen Preisniveau. Hierzu zählt etwa Gerät wie der glattwandige, hochglanzpolierte, neu aufkommende elektrische Kaffeekocher der AEG. Die seitlich angebrachten, pokalhaften Henkel mit umlaufenden Perlenband sowie der Sockel mit Kassetten- und Perlenband brechen jedoch auffällig die Moderne. Architekt und Designer Peter Behrens war seinerzeit künstlerischer Berater bei der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft. Von der Gestaltung der Firmengebäude bis zur Werbung ging alles durch seine Hände, einschließlich die Produktgestaltung.

Die Schau präsentiert einen großen Formenwandel. Sie zeigt zudem, wie die Gestalter dem kostbar aussehenden Material bei dem einen oder anderen Gerät eine ästhetische Grobheit mitgab. Diese zeigt sich immer dann, wenn Bleche oder Teile sichtbar verschraubt oder genietet sind, so wie man es bei Maschinen und Stahlkonstruktionen sieht. Eine Anleihe aus der seinerzeit wachsenden Ingenieurskunst.

Die Metallästetheten. Reformer und ihre Entwürfe aus Messing vom Jugendstil bis zur Neuen Sachlichkeit, im Silbersaal des Goldschmiedehaus‘ bis 14. April. Öffnungszeit Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.Führungen im Februar: Sonntag 10. und 24.2. von 15 Uhr an.

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