07.08.2020, Hessen, Dannenrod: Gegen den Weiterbau der A49 richtet sich ein Plakat von Umweltschützern.
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Das Plakat richtet sich gegen den Weiterbau der A49, für den große Teile des Dannenröder Walds abgeholzt werden sollen.

Hambacher Forst als Vorbild

Das Umweltbündnis „Autokorrektur“ protestiert gegen den Weiterbau der A49 und die dafür notwendige Waldrodung.

Seit Jahren scheiden sich die Geister am geplanten Ausbau der Autobahn 49, die Mittel- und Nordhessen miteinander verbinden soll. Die Meinungen dazu sind ähnlich gespalten, wie der fertige Lückenschluss künftig den Dannenröder Forst zerschneiden soll. Das Waldstück bei Homberg (Ohm) doch noch zu erhalten, darauf konzentriert sich der Protest von Klima- und Umweltschützern. Sie haben sich nun zum Bündnis „Autokorrektur“ zusammengeschlossen.

„In Zeiten der Klimakrise müssen wir uns trauen, einen allumfassenden Wandel anzugehen“, sagt Aktivistin Kim Lauterbach bei der Vorstellung des Bündnisses. Die Umweltschützer wollen das Abholzen, das im Oktober beginnen könnte, mit verschiedenen Protest- und Widerstandsaktionen verhindern.

Bereits im vorigen Jahr bezogen erste Aktivisten Stellung in dem Forst, in dem auch alte Buchen und Eichen wachsen, und bauten Baumhäuser. Sie sprechen von einer Waldbesetzung. Vorbild: Der Protest gegen die Rodung des Hambacher Forsts für den Braunkohletagebau. Eine mögliche Räumung des Waldcamps wollen die Umweltschützer nicht hinnehmen. Geplant seien Aktionen des „zivilen Ungehorsams“, kündigt eine Sprecherin der Initiative „Aktion Schlagloch“ an, die ebenfalls zum Bündnis gehört. „Wir werden dafür mit unseren Körpern die Räumungs- und Rodungsarbeiten blockieren.“

Das umstrittene A-49-Teilstück soll von Stadtallendorf-Nord nach Süden zum Ohmtal-Dreieck führen und an die A5 anknüpfen. Die ersten Planungen reichen Jahrzehnte zurück. 1993 erteilte das hessische Verkehrsministerium laut der Behörde Hessen Mobil den Planungsauftrag. 2012 folgte der Planfeststellungsbeschluss, den das Bundesverwaltungsgericht 2014 bestätigte.

Das hessische Verkehrsministerium und die Bauherrin, die Deutsche Einheits- und Fernstraßen GmbH betonen, dass nur etwa drei Prozent der Fläche gerodet werden. Nach ihren Angaben geh es um 27 von rund 1000 Hektar Wald. Zum Ausgleich werde unter anderem eine Grünbrücke für Tiere errichtet. Das von Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir geführte Ministerium verweist darauf, dass die Entscheidung zum Fertigbau höchstrichterlich bestätigt worden sei und das Land Hessen im Auftrag des Bundes handle. (dpa)

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