Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rhein-Main

Hallo, hier ist Microsoft Mumbai

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
    schließen

Bei betrügerischen Anrufen angeblicher Microsoft-Mitarbeiter gibt es eine hohe Dunkelziffer - ein Fachmann sieht aber trotz Homeoffice eher einen Rückgang dieser Betrugsmasche.

Die besorgte Stimme in schlechtem Englisch überschlägt sich fast vor Aufregung: Hier am Telefon sei Tom, ein Mitarbeiter der Firma Microsoft; der eigene Computer habe offenbar gravierende Sicherheitsprobleme, Eile sei angebracht. Die Mitarbeitenden der Callcenter, die häufig in Indien sitzen, lassen sich oft kaum abwimmeln, teils ein Dutzend Anrufe von „Tom“, „Lisa“, „Henry“ oder „Paul“ an einem Vormittag sind keine Seltenheit. Die meisten Menschen legen schnell wieder auf, sei es, weil sie misstrauisch sind, sei es, weil sie gar nicht verstehen, weshalb sie da angerufen werden.

Einer, der leider nicht aufgelegt hat und darüber inzwischen nur noch ungläubig den Kopf schütteln kann, ist der Ingenieur Peter R., schon von Berufs wegen computeraffin und wie viele andere Menschen auch aktuell meist im Homeoffice tätig.

„Der Anrufer sprach mich mit meinem Namen an und meinte, ich müsse dringend handeln, mein Computer verursache riesige Mengen an gefährlichem Datenmüll im Internet. Microsoft sei sehr besorgt, deshalb rufe man nun an. Angeblich gehe das schon seit Tagen so. Ich habe ihn kaum verstanden, aber er hat mich dazu gebracht, auf eine bestimmte Internetseite zu gehen, die er mir buchstabierte“, erzählt R.

Zeit zum Nachdenken blieb nicht, es war ja angeblich auch Gefahr im Verzug. „Heute komme ich mir richtig blöd vor, wenn ich das erzähle. Er hat mich dann an eine Frau weiterverbunden, die besser Englisch sprach und schließlich zu einem sehr eloquenten Supervisor. Ich habe dann versucht, mit dessen Hilfe mehrere Programme zu laden. Sie haben das ganz persönlich gemacht, mich nebenher noch in einen Smalltalk verstrickt. Irgendwann wurde das immer dubioser, sie haben mich aber ständig beschäftigt. Irgendwann konnte ich nebenher mal auf dem Handy suchen, dort kamen gleich Warnungen von Verbraucherzentrale und Polizei. Da habe ich den Anruf unterbrochen.“

Es war trotzdem ein teurer Anruf, berichtet R. Denn ein Computerexperte spielte zur Sicherheit vor möglichen Eindringlingen die Festplatte neu auf, das kostete etwa 250 Euro. Wären die Betrüger erfolgreicher gewesen, wäre der Schaden vermutlich um ein Vielfaches höher gewesen.

Rainer Lechtenböhmer, Leiter des für solche Telefon- und Computerkriminalität zuständigen Kommissariats ZK50 am Polizeipräsidium Südosthessen in Dreieich, seit 2008 zuständig für die Region zwischen Schlüchtern und Egelsbach, kennt Fälle wie diesen zur Genüge. 127 Fälle wurden 2019 beim ZK50 angezeigt, in diesem Jahr waren es bisher 79. „Ich gehe davon aus, dass die Dunkelziffer mindestens 20-mal so hoch ist“, sagt der erfahrene Polizist, der seit der Gründung beim ZK50 arbeitet. Er vermutet, dass diese Betrugsmasche eher abnimmt, obwohl doch gerade so viele Menschen von Zuhause aus arbeiteten. Es seien stets Callcenter im indischen Mumbai, die sich auf diesen Trick spezialisiert hätten, beschreibt er. „Vermutlich arbeiten deren Mitarbeiter auf Provisionsbasis und agieren international. Offenbar sprechen sich die Callcenter ab, um sich nicht ins Gehege zu kommen. Deshalb kommen solche Anrufe oft in Wellen.“ Den Opfern würden Bankverbindungen samt Geheimzahl oder ähnliches höchst geschickt entlockt.

Da weltweit etwa 90 Prozent der Computer mit Windows laufen, sei die Trefferquote bei Anrufen hoch, die Betrüger arbeiteten wohl Telefonbucheinträge ab. Er habe erlebt, dass selbst Informatiker auf die Masche hereinfallen. Lechtenböhmer empfiehlt bei solchen Anrufen: sofort auflegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare