Rhein-Main

Rhein-Main: Gutes Klima für den Ausbau der Schiene

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Die Industrie- und Handelskammern und die Politik fordern mehr Tempo. Ein Schienenring um Frankfurt müsse her.

Mehr Arbeitsplätze, mehr Wohlstand und dadurch mehr Warenverkehr: Die Rhein-Main-Region prosperiert. Die Antwort darauf muss mehr Infrastruktur sein, fordert Ulrich Caspar, Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. „Ich glaube, das haben noch nicht alle erkannt.“ Eine Art S-Bahn-Ring um Frankfurt stellt er sich vor. Daneben neue Wohngebiete, damit die Menschen schnell zu ihren Arbeitsplätzen kommen. Der Bedarf an funktionierenden Verkehrswegen in Rhein-Main sei vergleichbar mit dem nach der Wende. Auch damals sei es möglich gewesen, die Planungszeiten zu verkürzen.

„Wie werden wir schneller? Mehr Mobilitätsinfrastruktur für Hessen“ lautet die Frage am Donnerstagabend in Frankfurt. Gastgeber: Die Industrie- und Handelskammern (IHK) Frankfurt und Offenbach sowie die Planungsgesellschaft für die Regionaltangente West (RTW). Die soll die Schwäche des auf Frankfurt zentrierten S-Bahn-Netzes beheben, denn sie führt in einem Bogen um die City. Geplant sind zwei Linien, die beide über den Flughafen führen: Von Bad Homburg nach Neu-Isenburg und von Frankfurt-Praunheim und Bad Soden nach Dreieich-Buchschlag. RTW-Geschäftführer Horst Amann sieht das Projekt auf einem guten Weg. „Die Signale stehen auf Grün.“ Wichtig sei, dass die zehn kommunalen Gesellschafter an einem Strang zögen, Einzelinteressen hintenan stellten: „Ich wünsche mir Entscheidungsbereitschaft - nicht nur beim Geld, sondern auch dabei, Konflikte mit dem Blick aufs Ganze zu lösen.“

RTW könnte der Anfang sein

Die RTW könnte der Anfang für den von Caspar geforderten S-Bahn-Ring um Frankfurt sein, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Am 28. November falle voraussichtlich der Beschluss der Gesellschafterversammlung. Seit Jahrzehnten werden über die RTW geredet, nun könne es losgehen. Die Zeit sei günstig. Der Bund habe seine Fördermittel für die Schiene massiv erhöht. Wichtig sei, jetzt die Anträge in Berlin zu stellen, die Konkurrenz in den anderen Bundesländern schlafe nicht. Entlastung sei dringend notwendig. Denn: „Die Region hat ein Riesen-Verkehrsproblem.“

Planbeschleunigung, Verfahrensbeschleunigung - das sei einer der Schlüssel, sagt Claudia Jäger (CDU), Erste Kreisbeigeordnete, Kreis Offenbach. Genauso wichtig sei aber auch Mut bei Widerständen in der Bevölkerung, die Bereitschaft alte Gräben zu überwinden. Kommunen, Landkreise und die Industrie- und Handelskammern müssten sich zusammenschließen. Stadt und Kreis Offenbach sei es gelungen, die Regionaltangente-Süd voranzutreiben: „Ich glaube wir sind schon auf einem sehr guten Weg.“

Die Stadt würde von einem Schienenring profitieren, sagt Frankfurt Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und drängt darauf, nach dem RTW-Beschluss gleich die Tangenten Süd und Ost anzugehen. Ein solcher Ring entlaste volle Verkehrsmittel, erhöhe die Qualität im öffentlichen Nahverkehr.

Grund für langsame Planung sei manchmal auch das fehlendes Personal, sagt Al-Wazir. Und fehlender politische Wille. Gemeinsame Projekte seien oft besser, als die Verantwortung für die Planung zu zentralisieren. „Ich bin ein großer Freund davon, Menschen einzubinden.“ Doch das habe seine Grenzen. Er habe kein Verständnis für den Widerstand gegen den vierspurigen Ausbau der S6 oder gegen die Citybahn Wiesbaden, denn von diesen Projekten würden viele Pendler und Behinderte profitierten.

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