Julia Zirfas ist Referentin für die Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Hessen.
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Julia Zirfas ist Referentin für die Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Interview

"Günstige Alternative fällt weg"

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Julia Zirfas von der Verbraucherzentrale spricht über unseriöse Angebote und Elektroschrott.

Frau Zirfas, was empfehlen Sie den Antennennutzern hinsichtlich der Umstellung?
Sie sollten ihre Geräte genau prüfen, ob sie vielleicht schon das grüne DVB-T2 HD-Logo auf dem Fernseher oder der Box haben. Gerade diejenigen, bei denen der Kauf noch nicht so weit zurückliegt, könnten schon fähige Geräte haben. Wer will, kann sich auch im Internet informieren oder im Zweifel bei uns am besten mit der Gebrauchsanweisung vorbeikommen. Wenn es nicht kompatibel ist, wird man wohl um eine Neuanschaffung nicht herumkommen. Aber man muss sich ja nicht das Teuerste kaufen. Es gibt auch gute Geräte, die nicht so viel kosten. Eine neue Set-Top-Box kann man schon für circa 40 Euro erwerben.

Haben Sie Tipps für den Kauf?
Entweder die Verbraucher kaufen jetzt und holen sich ein Gerät möglichst zeitig, oder sie geben sich nach der Umstellung etwas Zeit. Wir haben bei anderen Umstellungen wie beispielsweise bei der Abschaltung des analogen Kabels in Pilotstädten schon die Erfahrung gemacht, dass Geräte in den zwei Wochen vor der Umstellung und auch kurz danach plötzlich extrem viel teurer waren als beispielsweise später.

Gab es Fälle, in denen Anbieter mit unseriösen Angeboten versucht haben, die Verunsicherung der Leute aufgrund der Umstellung auszunutzen?
Ich habe mitbekommen, dass Unternehmen teilweise einen Wechsel auf andere Verbreitungswege, wie Internet-TV oder Kabel, anbieten, weil DVB-T abgeschaltet wird. Da wird mit der Unsicherheit der Leute gespielt. Das führt nicht selten dann auch zu einem viel teureren Umstieg. Gerade ältere Leute lassen sich da leichter beeinflussen. Allerdings waren hier bei der Verbraucherzentrale Hessen bisher noch wenige, welche sich wegen entsprechender Verkaufspraktiken beschwert haben.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in der Umstellung?
Auf der einen Seite ist es von Vorteil, weil es viele Programme dann in HD gibt. Schwierig ist es aber, weil die Leute mit Antennenanschluss keine Option haben. Im Zweifelsfall sind sie gezwungen, sich ein neues Gerät zu kaufen. Gerade Leute, die sich beispielsweise Kabel nicht leisten können und DVB-T als günstige Variante genommen haben, sind jetzt gezwungen, sich neue Geräte zu kaufen. Durch die Umstellung fällt auch viel Elektroschrott an. Hier hoffen wir, dass alle Verbraucher ihre alten Receiver oder eben auch Fernseher über den Handel oder die Wertstoffhöfe entsorgen.

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