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Grundschulen schrittweise öffnen

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Die Richter finden, es gäbe keinen Grund, dass Viertklässler zurück in die Schulen sollen, jüngere Kinder aber nicht. Dabei gibt es diesen Grund durchaus. 

Nun also doch nicht. Anders als seit Wochen geplant, bleiben die Grundschulen laut Gerichtsbeschluss geschlossen. Damit es keine Missverständnisse gibt: Die Richter sagen nicht etwa, dass es generell zu gefährlich sei, den Unterricht wieder aufzunehmen. Das müsste man akzeptieren – trotz der derzeit oft diskutierten Vermutung, dass Kinder längst nicht so ansteckend sind wie Erwachsene. Das Gericht findet aber, Schülerinnen und Schüler würden ohne Grund ungleich behandelt.

Diese Argumentation verwundert doch sehr. Denn es gibt einen sehr guten Grund, warum nicht alle Grundschüler wieder in den Unterricht dürfen: Es wird sonst zu voll an den Schulen, die Hygienevorschriften und Abstandsregeln ließen sich nicht umsetzen. Also kann zunächst nur ein Teil der Grundschüler zurück, und dann ist es sinnvoll, mit den vierten Klassen zu beginnen. Die Kinder sind alt genug, um Regeln zu beachten, außerdem wechseln sie im Sommer die Schule. Ihre Lehrer können also Unterrichtsstoff nicht ins nächste Schuljahr verschieben.

Schrittweise zur Normalität

In letzter Konsequenz sagen die Richter: Entweder es gehen alle zur Schule oder niemand. Das ist aber hochproblematisch, denn auch für die Schulen gilt: Die Rückkehr zur Normalität kann nur schrittweise erfolgen.

Vielleicht wäre es möglich, nur einen Teil der Schülerinnen und Schüler wieder zu unterrichten, dabei aber sämtliche Jahrgangsstufen einzubeziehen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sollte das prüfen. Möglich ist nach dem schwer nachvollziehbaren Beschluss aus Kassel aber auch, dass die Grundschulen zumindest bis zum Sommer oder im allerschlimmsten Fall bis zur Zulassung eines Impfstoffs geschlossen bleiben. Für die Kinder wäre das eine Katastrophe, für ihre Eltern, die in dieser Krise ohnehin viel zu wenig Unterstützung erfahren, auch.

Dazu passt, dass noch nicht einmal die Notbetreuung für alle Viertklässler geöffnet wird. Wieder werden nur Kinder betreut, deren Eltern alleinerziehend sind oder in systemrelevanten Berufen arbeiten. Doch auch die Mütter und Väter, die nicht dazu gehören, hatten sich darauf verlassen, dass die Schule wieder los geht. Sie müssen nun in kürzester Zeit andere Lösungen finden. Wie auch immer.

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