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Wandern kann man in Hessen bestens. Davon profitieren letztendlich auch die großen Städte.

Tourismusmesse Berlin

Mit Grüner Soße nach Berlin

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Hessen wirbt auf der Tourismusmesse in Berlin mit kulinarischen Spezialitäten, großen Städten und Naherholung.  

Es ist ein Stimmengewirr in Halle 7.2c der Berliner Tourismusmesse ITB. Gemächlich schlendern Japanisch sprechende Menschen an den Ständen vorbei. Zwei Männer unterhalten sich angeregt auf Russisch und achten nicht auf ihre Umgebung. Ein weiterer Mann telefoniert auf Französisch und eilt durch die Halle zur sich anschließenden Halle 8. Dazwischen aber auch vertraute Klänge von Hessisch, wenn zwei Weinköniginnen miteinander reden.

Die Internationale Tourismusbörse in der Bundeshauptstadt ist in vollem Gange und auf 1000 Quadratmetern wirbt auch das Land Hessen wie in den vergangenen Jahren für sich. „Wir sind 45 Partner, die gemeinsam die Möglichkeiten in Hessen präsentieren“, sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress-Gesellschaft (TCF). Dabei stehen im Groben drei große Themenaspekte im Vordergrund: das Kulinarische, das Aktiv sein in der Natur und die urbanen Gebiete in Kombination mit Kultur.

Bei der Kulinarik setzt man auf die hessischen Spezialitäten: Handkäs, Wein, Apfelwein und Grüne Soße. An mehreren Ständen gibt es die Getränke und Speisen zu verkosten.

Bei dem Gang durch die Natur liegen die Regionen Taunus oder auch der Spessart nahe. Die urbanen Gebiete umfassen die großen Städte wie Frankfurt, Kassel, Wiesbaden der auch Fulda.

„Die Städtereisen sind seit Jahren im Trend“, berichtet Thomas Feda. Sie seien sozusagen Selbstläufer, die man nur bedienen müsse. In diesem Jahr wirbt Frankfurt verstärkt mit der Neuen Altstadt, dem Bauhaus-Jubiläum sowie der Van-Gogh-Ausstellung, die von Oktober an im Städel zu sehen sein wird. Dadurch müssten die Touristen nicht mehr zwangsläufig nach Amsterdam, um mehr von dem Maler zu sehen, sondern hätten in der Mainstadt eine Alternative, sagte Feda.

Bei der ITB stehen nicht das Publikum im Fokus, sondern die touristischen Leistungsträger. Es werden Gespräche mit Reise- oder Kongressveranstaltern, aber auch mit Journalisten und anderen in der Tourismusbranche aktiven Repräsentanten geführt. Trotzdem sollen die Tourismusvertreter sich natürlich wohlfühlen. In der Halle 7.2c, wo sich Hessen präsentiert, dominieren die Farben Grün und Weiß. Es gibt Bilder von Äpfeln, der Frankfurter Skyline oder Wanderern. Neu ist in diesem Jahr eine Kulturstele, die mit Filmen und Exponaten unter anderem auf die Museumslandschaft Kassel, das Hessische Landesmuseum Darmstadt oder die Schlösser und Gärten im Bundesland hinweist.

Die Gestaltung der Halle kostet zwischen 600 000 und 700 000 Euro, wobei das Land etwa 40 Prozent der Kosten trägt. Frankfurt hat für die ITB ein Gesamtbudget von 120 000 Euro, worin auch Reise- und Personalkosten inbegriffen sind.

Obwohl Frankfurt sich mit einem separaten Stand präsentiert, betont Feda: „Das Ganze geht nur, wenn man gemeinsam auftritt.“ Ein Gast sei selten nur in Frankfurt. Der Taunus profitiere genau so von Touristen die nach Frankfurt kommen, wie umgekehrt.

Das bestätigt auch Roland Seel, Vorsitzender des Vereins Taunus Touristik Service und Bürgermeister von Grävenwiesbach. „Für mich ist es selbstverständlich auch hier am Stand zu stehen. Man lernt eine andere Herangehensweise.“ So haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass die Gäste nicht unbedingt im Taunus übernachten, aber für Tagesausflüge trotzdem gern in die Region kommen. Man setze bei der Werbung deswegen beispielsweise auf die Lage im Grünen bei gleichzeitig guter Verkehrsanbindung. Man könne Radwanderwege, Opelzoo, Hessenpark oder Saalburg bieten. „Wir grenzen uns nicht ab“, sagt Seel. Das Lahntal sei geografisch nah und deshalb auch am Stand nebenan verortet. Jeder Gast der in andere Regionen komme, sei auch für das eigene Gebiet interessant.

Thomas Feda sagt, dass es ein großes regionales Denken brauche. Touristische Vermarktung dürfe an Stadt- oder Landkreisgrenzen nicht aufhören. Frankfurts Situation sei ausgesprochen privilegiert. „Um unsere Vielfalt beneiden uns viele Städte in Deutschland.“ Sportstadt, Gastronomie, Skyline, viele Grünflächen, Messen und eine reichhaltige Geschichte als Krönungsstadt oder Wiege der Demokratie – von alldem profitiere die touristische Vermarktung. Einen zunehmenden Fokus lege die TCF auf die Werbung als Kongressstadt. Dort gebe es einen Wettlauf mit Köln, München oder Berlin. „Ein wichtiger Kampf“, so Feda.

Viel Potenzial sieht der Geschäftsführer noch auf dem deutschen Markt. Die internationale Vermarktung war in den vergangenen Jahren immer priorisiert. Im Inland könnten noch viele Besucher gewonnen werden. Außerdem biete der asiatische Markt mit Ländern wie Indien und auch China weiteres großes Potenzial.

Am Samstag und Sonntag ist die ITB auch für Publikumsbesucher geöffnet. Dann können Interessierte selbst die kulinarischen Spezialitäten Hessens kosten oder sich die Präsentationen der anderen Bundesländer anschauen. Etwa von Sachsen-Anhalt, dass ein Fotoshooting mit Verkleidungen im Bauhausstil anbietet, oder Sachsen, dass mit Wänden in Backsteinoptik seine Industriekultur betonen möchte. Ganz im Kontrast zu Bayern, das auf sehr viel Holz setzt. Oder man macht einen Stopp bei den Nachbarn aus den Niederlanden. Dort geht es klassisch zu: bei Tulpen, Bier und Käse.

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