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Nicht immer so frugal: vegetarische Gerichte.
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Nicht immer so frugal: vegetarische Gerichte.

Gastronomie Frankfurt

Wie grün isst Frankfurt?

Die Grünen stellen fast die stärkste Partei in der Stadt. Auch dank mehr als 40.000 Studenten müsste es Potenzial geben für viele vegetarische Restaurants. Wer sich allerdings auf die Suche macht, findet wenig.

Von Stephan Loichinger

Ich bin kein Vegetarier. Aber seit zwei Jahren esse ich fast ausschließlich vegetarisch, seit meine Frau „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer las und fortan von Fleisch und Fisch die Finger ließ. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber genug gesehen und gelesen über die Haltungsbedingungen der Tiere, die später portioniert auf unseren Tellern landen, dass ich meinen Konsum von Wurst praktisch völlig und von Fleisch auf ein absolutes Minimum zurückgeschraubt habe.

Zu Hause ist abwechslungsreiche vegetarische Ernährung auch ohne ein spezielles Kochbuch problemlos möglich. Wer ein gutes Risotto-Rezeptbuch besitzt, hat schon 40, 50 wunderbare Gerichte in der Tasche; wer bei Alnatura oder in der dm-Drogerie einkauft, findet immer Anleitungen zu etwas Leckerem in den Kundenmagazinen und in Schrot & Korn; selbst die Empfehlungen von Alfred Biolek, einem offenkundigen Fleischliebhaber, verlieren kaum, wenn man die toten Tiere einfach weglässt.

Schwieriger wird es beim Essengehen: Aus irgendeinem Grund fahren die Restaurants und Lokale in Frankfurt, der Stadt, wo bei der jüngsten Kommunalwahl die Grünen fast 26 Prozent der abgegebenen Stimmen holten, ein dürftiges vegetarisches Angebot. Das ist noch einigermaßen verständlich bei den traditionellen Apfelweinwirtschaften: Die Frankfurter und hessische Küche ist auf Rippche, Kasseler und Wurstplatten gebaut. Selbst eine Gemüsesuppe kommt hier nicht ohne Einlage aus. Grüne Soße mit vier halben Eiern und Kartoffeln ist hier immer eine ethisch einwandfreie Alternative – oft auch die einzige. Wen macht schon Handkäs’ satt?

Ich liebe Grüne Soße, aber unter Abendessen stelle ich mir etwas anderes vor. Also bestelle ich in der Apfelweinwirtschaft praktisch immer Fleisch – obwohl es auswärts ja viel schwerer zu steuern ist, nur Tiere aus einwandfreier Haltung zu verspeisen. Vielleicht hätte ich öfter zu Apfelwein Wagner in Sachsenhausen gehen sollen. In dem Traditionslokal, berichtet die Chefin Sabina Wagner, gab es eine Zeit lang jeden Tag ein vegetarisches Gericht auf der Wechselkarte, „das wurde dann aber gar nicht so nachgefragt“. Neben Grüner Soße biete die reguläre Karte aber mit verschiedenen Salaten und Gemüsestrudel einige Gerichte für fleischlose Genießer. „Und freitags ist ja immer Fischtag“, sagt Sabina Wagner.

Vorsicht vor versteckter Fischsoße

Fisch aber ist ja auch Tier, weswegen Edith Bobel und die anderen Mitglieder vom Offenen Vegetarier-Stammtisch Frankfurt das selbstverständlich nicht essen würden. Das Fischmissverständnis ist noch immer weit verbreitet, weshalb Edith Bobel Vegetariern zwar zu asiatischen Lokalen rät, aber dort eben auch zur Obacht: „Viele Suppen dort werden auf Fischbasis gemacht. Beim Vietnamesen wird einem die Austernsoße oft als vegetarisch verkauft, aber das ist sie natürlich nicht.“

Seit elf Jahren gehen Edith Bobel und die anderen vom Veggie-Stammtisch regelmäßig in ein immer anderes Restaurant, mangels Auswahl ist es praktisch nie ein rein vegetarisches. „Wenn denn mal eines aufmacht, schließt es meistens wieder schnell“, berichtet die 46-jährige Bibliothekarin. Sie glaubt, dass auch bei vegetarischen Lokalen schlicht die Qualität über Wohl und Wehe entscheidet. Als schlechtes Beispiel nennt sie das Zimt & Koriander an der Liebfrauenkirche („minimale, nicht sehr gute Speisekarte“, „schlechter Service“), als gutes Beispiel die Naturbar im Oeder Weg: „Dort waren wir immer zufrieden.“

Nicht nur Nudeln in Soße

Die Naturbar hält sich seit 1971 am Ort, und so stelle ich mir ein vegetarisches Restaurant im grünen Nordend vor: klein, kuschelig, kreativ. Früher war das TAT – Theater am Turm ums Eck, heute sind es mit dem Metropolis und dem Mal Seh’n noch zwei Kinos. Während in vielen durchaus empfehlenswerten Restaurants das vegetarische Gericht üblicherweise in Ravioli mit Trüffelsauce besteht, zeigen Naturbar-Inhaber Omar Laalou und sein Team, wie naheliegend abwechslungsreiche vegetarische oder vegane Küche geht, wenn man nur einen Moment lang nachdenkt. Vor kurzem etwa gab es Pfifferlingrisotto mit Broccoli und Salbei, Kichererbsen-Spinat-Pfanne mit Frischkäse und Thymian oder Kartoffelpfanne mit grünen Bohne in Estragonsoße.

„Viele machen sich’s einfach, servieren Nudeln mit Soße“, sagt Omar Laalou. „Wir wollen auch Veganern und Rohkostlern etwas bieten und müssen schon deshalb eine kreativere Karte haben.“ Omar Laalou ist seit Anfang an dabei, als die Naturbar noch eine kleine Bar war, wo es nur gefüllte Brottaschen gab. „Als dann die grüne Welle kam, waren wir schon da“, berichtet er. Die Bar wurde zum Restaurant ausgebaut, Stammkundschaft bildete sich, aber Geld verdienen mit einem vegetarischen Lokal? „Das geht nicht. Wir kaufen alles bio ein, meist regional, und die Zubereitung dauert länger“, sagt Omar Laalou.

Darin, glaubt der Veggie-Veteran, liegt die Erklärung dafür, dass Frankfurt so wenig grün ist und isst auf dem Teller.

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