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Auch in Gießen gibt es ein Waldstadion, in dem die Fans mitfiebern.
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Auch in Gießen gibt es ein Waldstadion, in dem die Fans mitfiebern.

Orte

Groundhopping in Hessen - Liebeserklärung an Provinzplätze

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Jonas Schulte stellt in einem Bildband 100 Fußballplätze und deren Geschichte vor.

Groundhopper nennen sich Fußballverrückte, die Stadien in aller Welt besuchen und sich dafür Länder- und Groundpunkte (ground, engl. für Platz) geben. Melden sich Groundhopper in der Öffentlichkeit zu Wort, berichten sie meist über infernalische Derbys aus Südamerika oder wie sie mit nur noch einer sauberen Unterhose im Gepäck durch ganz Westafrika getrampt seien. Jonas Schulte ist die Sache anders angegangen. Der gebürtige Niedersachse und Hörfunkjournalist des Hessischen Rundfunks hat sich ein bisschen in die hessische Fußballprovinz verguckt. „Hessen ist auch ein Land versteckter Fußball-Schönheiten“, bekennt er im Vorwort seines gerade erschienenen Buchs „Fußball-Heimat-Hessen – 100 Orte der Erinnerung“.

Schulte erspart der Leserschaft dabei die Strapazen seiner Reisetätigkeit und kredenzt stattdessen 100 hessische Appetithäppchen von der Kreisliga bis zu echten hessischen Weltmeistern. Vom Kreispokalfinale in Altengronau über Vereinsikonen in der Landesliga bis hin zu jenem Uhrmacher aus Magdeburg, dem es Eintracht Frankfurt vermutlich zu verdanken hat, dass der Traditionsverein seine Gründung noch auf das 19. Jahrhundert datieren kann.

Im Mittelpunkt stehen meist die kleinen Dorfsportplätze, die erstaunliche Geschichten hervorgebracht haben, mitunter aber gar nicht so klein sind. So gerät Schulte ins Schwärmen über das Waldstadion Arzell. Der kleine Ortsteil von Eiterfeld hat 700 Einwohner, das „Schmuckstück mitten im Wald“ fasst hingegen erstaunliche 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Jedes erwähnte Stadion wird mit einem Steckbrief und einem Bild gewürdigt.

Die Stars sind die Stadien

Besonders idyllisch liegt der Sportplatz der TuS Dehrn im westhessischen Runkel. Hier, zwischen Westerwald, Taunus und Lahn, hat kein geringerer als Eintracht-Rekordtorschütze Bernd Hölzenbein seine ersten Meriten gesammelt. So berichtet Schulte, wie der ganze Ort 1974 mitgefiebert habe, als der Dehrner Bub Hölzenbein in München Weltmeister wurde. Auch die Fußballplätze, auf denen Jürgen Grabowski und Rudi Völler das Kicken lernten, hat Schulte besucht.

Die eigentlichen Stars des Buchs sind aber die Stadien und die Vereine, die dort einst Sternstunden erlebten, aber schon lange wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind. Wie etwa der VfR Bürstadt, der 1975 sogar Deutscher Amateurmeister war oder die Spielvereinigung Bad Homburg, die - Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre - mehrmals ans Tor zur zweiten Bundesliga klopfte und ein beliebter Testspielgegner für die ganz großen Clubs wie Bayern München war. Auch auf dem altehrwürdigen Günter-Reutzel-Sportfeld in Klein-Karben gastierten die Bayern einst und konnten es sich leisten, Torwartlegende Sepp Maier als Verteidiger aufzubieten, was der für allerlei Faxen nutzte.

Groundhopper Schulte hat sich aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Großstädten umgeschaut. Während seines Studiums hospitierte er im Frankfurter Eintracht-Museum und hatte Gelegenheit, so manche Anekdote aus der Frankfurter Fußballgeschichte aufzuschnappen. Wie eben jene des Uhrmachers Albert Pohlenk, der zunächst bei Frankfurts ältestem Fußballverein Germania kickte, dort in Streit geriet und alsbald den FFC Viktoria gründete – den ältesten der Vorgängervereine der Eintracht. Das Buch von Jonas Schulte zeigt, dass ein Groundhopper kein Fernweh braucht und auch in Hessen viele spannende Geschichten zu erzählen sind.

Jonas Schulte, Fußballheimat Hessen. Arete-Verlag, 220 Seiten, 18 Euro.

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