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Großrazzia wegen Geldwäsche in Frankfurt, Offenbach, Mörfelden

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Von: Oliver Teutsch

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Beschuldigte sollen Millionen von Euro nach Afrika geschafft haben. Zoll stellte 1,5 Millionen Euro Bargeld sicher.

Mit einer Großrazzia haben Polizei und Zoll am Mittwoch eine Bande ausgehoben, die für gewerbsmäßige Geldwäsche in Millionenhöhe verantwortlich sein soll. An den Durchsuchungen der 13 Objekte in Frankfurt, Offenbach, Mörfelden-Walldorf, in Baden-Württemberg, dem Saarland und in Schweden waren rund 100 Bedienstete des Zollfahndungsamtes, des Landeskriminalamtes und des Polizeipräsidiums Südosthessen beteiligt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte. Ermittelt wird demnach gegen acht Personen eritreischer und äthiopischer Herkunft im Alter von 30 bis 62 Jahren, denen Geldwäsche vorgeworfen wird. Als Hauptbeschuldigter gilt ein 43-Jähriger aus Mörfelden-Walldorf, der noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden sollte.

In dem Verfahren wird seit Anfang 2021 auch wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Der Verdacht gegen die Gruppierung kam auf, weil der Zoll am Flughafen seit Ende des Jahres 2020 bei Kontrollen vermehrt Transporte hoher Bargeldbeträge in aufgegebenen Koffern festgestellt hatte. Bereits im Vorfeld der Razzia am Mittwoch konnten laut Staatsanwaltschaft Gelder in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro sichergestellt werden.

Den Beschuldigten wird das sogenannte Hawala-Banking vorgeworfen, das vor allem in muslimischen Ländern als kostengünstige Zahlungsmethode weit verbreitet ist. Bargeld wird in solchen Fällen über einen Händler an einen Partner im Zielort transferiert, ohne dass Bankgebühren oder Steuern anfallen. Da diese Methode aber auch der Geldwäsche Vorschub leistet, ist sie in Deutschland verboten. So hatte das Landgericht Düsseldorf im November vergangenen Jahres eine fünfköpfige Bande verurteilt, die etwa 170 Millionen Euro in die Türkei transferiert hatten. Als Kopf der Bande galt ein 52-jähriger Juwelier aus Duisburg, der eine Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten erhielt.

In welchem Umfang die jetzt ermittelten Beschuldigten Gelder verschoben haben sollen, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Sie sollen aber seit Ende 2019 als Mitglieder einer Organisationsstruktur gegen Gebühr Geld unklarer Herkunft in großem Umfang in Europa, insbesondere in Deutschland und Schweden, eingesammelt haben, um es nach Eritrea, Äthiopien und in den Sudan zu bringen. Über eine entsprechende Genehmigung zur Erbringung derartiger Zahlungsdienstleistungen habe keiner von ihnen verfügt, so die Staatsanwaltschaft.

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