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Razzia in Biebesheim. Insgesamt wurden am Donnerstag 15 Wohnungen von mutmaßlichen Islamisten durchsucht.

Hessen und NRW

Großrazzia gegen Islamisten - zwei Festnahmen

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Nach einer Razzia verhaftet die hessische Polizei zwei mutmaßliche Islamisten. Sie sollen geplant haben, sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen.

Die hessische Polizei hat am Donnerstagmorgen bei einer Razzia gegen mutmaßlich radikale Islamisten 15 Wohnungen in Südhessen und eine in Nordrhein-Westfalen durchsucht. Wie Nadja Niesen, die Pressesprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Frankfurter Rundschau sagte, seien zwei Beschuldigte festgenommen worden. Insgesamt werde gegen zwölf junge Männer und Frauen im Alter von 22 bis 30 Jahren ermittelt, die alle die deutsche und teils auch noch die marokkanische Staatsangehörigkeit besäßen. Ihnen werde die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat oder Beihilfe dazu vorgeworfen.

Wie Niesen weiter sagte, gehe es bei den Ermittlungen konkret darum, dass die Beschuldigten geplant beziehungsweise andere dabei unterstützt haben sollen, über die Türkei nach Syrien auszureisen, um sich dort der islamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Sie hätten vorgehabt, sich im Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoff ausbilden zu lassen und sich dann an Terroranschlägen des IS zu beteiligen. Im Osten Syriens verteidigt die Miliz des selbsternannten „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi Medienberichten zufolge derzeit verzweifelt ihre letzten Hochburgen gegen die von kurdischen Kämpfern dominierten „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF). Im Juni 2014 hatte der IS sein „Kalifat“ ausgerufen, zwischenzeitlich hatte die Terrormiliz relevante Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht.

Die 15 in Südhessen durchsuchten Wohnungen befinden sich laut Staatsanwaltschaft in Rüsselsheim, Raunheim und Biebesheim am Rhein. Zudem untersuchten die Ermittler eine Wohnung im nordrhein-westfälischen Kerpen in der Nähe von Köln. Bei den Razzien wurde demnach Bargeld in niedriger fünfstelliger Höhe sichergestellt, außerdem beschlagnahmten die Ermittler Messer und Dokumente. Insgesamt waren an den Durchsuchungen 200 Polizisten beteiligt, darunter auch hessische Spezialeinsatzkräfte.

Bei den beiden Festgenommenen handelt es sich den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge um ein junges Ehepaar aus Raunheim. Dieses sei dringend tatverdächtig, hieß es. Die beiden 26-jährigen Eheleute sollen im November 2016 mit ihren 2012 und 2015 geborenen Kindern in die Türkei gereist sein, um sich von dort aus mit gefälschten syrischen Pässen in ein vom IS kontrolliertes Gebiet in Syrien zu begeben. Die Familie wurde im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgenommen und kurz darauf nach Deutschland abgeschoben. Das Ehepaar sollte noch im Laufe des Donnerstags einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Das hessische Innenministerium teilte der FR auf Anfrage mit, die Zahl der Islamisten in Hessen liege derzeit bei 4170 Personen, davon seien 1650 der extremen Variante des Salafismus zuzurechnen. Mindestens ein Viertel dieser hessischen Salafisten werde als gewaltorientiert eingeschätzt. Insgesamt reisten derzeit weniger Menschen aus Hessen in den Irak oder nach Syrien, um sich dort Terrorgruppen wie dem IS anzuschließen. Man bemühe sich, derartige Ausreisen rechtzeitig zu verhindern.

Ende 2017 waren die hessischen Sicherheitsbehörden davon ausgegangen, dass rund 140 radikale Islamisten aus Hessen nach Syrien oder in den Irak ausgereist seien. Etwa ein Fünftel von ihnen waren Frauen, die meisten jünger als 30 Jahre.

Aktuellen Angaben des Innenministeriums zufolge gibt es derzeit bei rund 50 Personen aus Hessen Hinweise darauf, dass sie bei Kämpfen im Irak oder in Syrien ums Leben gekommen sind.

Hintergrund: Islamismus

Als Islamismus bezeichnet man Formen des fundamentalistischen, politischen Islam. Islamisten verstehen den Islam in der Regel als Grundlage für alle Aspekte des Lebens, auch für die Ordnung von Staat und Gesellschaft. In Deutschland gibt es unterschiedliche islamistische Gruppierungen.

Der Salafismus gilt als besonders extreme Form des Islamismus. Salafisten sehen sich als Vertreter des „wahren Islam“ und legen den Koran wortgetreu aus. Ein kleiner Teil der Salafisten gilt als gewaltbereit.

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