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Zollbeamte während der Razzia.
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Zollbeamte während der Razzia.

Razzia

Großrazzia bei Reinigungsfirma in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Zoll und Steuerfahndung decken Schwarzarbeit in Millionenhöhe auf. Unternehmen aus dem Kreis Groß-Gerau soll Scheinrechnungen angefertigt haben.

Bei einer Großrazzia im Rhein-Main-Gebiet haben Zoll und Steuerfahndung einen Schwarzarbeitring zerschlagen. Nach Angaben des Hauptzollamts Frankfurt durchkämmten mehr als 550 Einsatzkräfte 50 Wohnungen und Geschäftsräume in Rhein-Main, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Der Schwerpunkt der Durchsuchungen lag im Frankfurter Stadtgebiet. Die Einsatzkräfte beschlagnahmten nicht nur umfangreiches Beweismaterial, sondern auch Luxusautos im Wert von 250 000 Euro, Bargeld in fünfstelliger Höhe, Goldbarren, Schmuck sowie hochwertige Uhren. Zusammen mit gepfändeten Konten seien zum Schadensausgleich 24 Millionen Euro gepfändet worden.

Die Ermittlungen in dem weitverzweigten Komplex liefen seit Juli 2019 unter dem Decknamen „Fregona“ – der Name eines Wischmopps. Im Fokus stand ein Reinigungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt, das seit 2015 seine Arbeitskräfte illegal beschäftigt und schwarz entlohnt haben soll. Der dadurch entstandene Schaden wegen nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer soll neun Millionen Euro betragen. Im selben Zeitraum soll das Unternehmen durch Aufträge der öffentlichen Verwaltung 40 Millionen Euro Umsatz generiert haben.

Zur Verschleierung sollen auf Scheinrechnungen spezialisierte Servicefirmen gefälschte Aufträge in Höhe von 16 Millionen Euro angefertigt haben, für die jedoch nie Arbeitsleistungen erbracht wurden. Im Mittelpunkt steht ein Unternehmen mit Sitz im Kreis Groß-Gerau. Es soll nicht nur für die Frankfurter Reinigungsfirma, sondern für rund 50 weitere Firmen Scheinrechnungen im Wert von insgesamt mehr als 27 Millionen Euro angefertigt haben.

Die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung und Beitragsvorenthaltung richten sich gegen 20 Personen. Acht der Beschuldigten, sechs Männer und zwei Frauen im Alter von 25 bis 65 Jahren, wurden am Dienstag festgenommen und den Haftrichtern in Frankfurt und Darmstadt vorgeführt. Sechs der Beschuldigten gehören zu der Frankfurter Reinigungsfirma und zwei zu der Servicefirma für Scheinrechnungen aus dem Kreis Groß-Gerau.

Bei der Durchsuchung war auch eine Spezialeinheit des Zolls für digitale Forensik im Einsatz. Die Einheit soll die beschlagnahmten Computer und Mobiltelefone auswerten, um möglicherweise weitere belastenden Daten oder beteiligte Firmen zu entdecken.

Neben dem Beweismaterial und den Wertgegenständen stellten die Ermittler:innen auch eine Schusswaffe, größere Mengen Munition sowie weitere verbotene Waffen sicher.

Nicht zum ersten Mal ermittelt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit im Bereich des Reinigungsgewerbes. Erst im Februar 2020 hatten Zoll und Steuerfahndung ein illegales Netzwerk von Reinigungs- und Scheinfirmen im Rhein-Main-Gebiet zerschlagen. Auch damals waren 500 Kräfte von Zoll, Polizei und Steuerfahndung im Einsatz und durchsuchten 39 Objekte in Frankfurt und weiteren Orten wie Erlensee, Maintal und Friedrichsdorf. Den Schaden für Fiskus und Sozialkasse bezifferte das federführende Hauptzollamt Gießen seinerzeit auf mindestens fünf Millionen Euro

Dem Einsatz, der im Februar 2020 unter dem Decknamen „Lackschuh“ lief, waren jahrelange Ermittlungen vorausgegangen, die 2015 nach einer ebenfalls großangelegten Razzia gegen die Betreiber von Scheinfirmen im Baugewerbe ihren Anfang genommen hatten. Bei der Sichtung der Scheinrechnungen, mit denen Betrüger ihre Schwarzarbeit tarnen, war eine Frankfurter Reinigungsfirma ins Visier der Ermittler geraten. Die Frage, ob es sich dabei um dieselbe Firma handele, gegen die nun zugeschlagen worden sei, beantwortete die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag nicht. Aber auch dieses Unternehmen reinigte nach Angaben des Hauptzollamts Gießen überwiegend Firmengebäude und Liegenschaften der öffentlichen Hand in Hessen.

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