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Großes Zittern hat längst begonnen

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Von 190 000 auf 690 000 Euro: Die monatlichen Energiekosten bei Barth Galvanik in Oberursel explodieren, doch Gas einsparen lässt sich kaum. Die Öfen müssen 24 Stunden laufen. reichwein
Von 190 000 auf 690 000 Euro: Die monatlichen Energiekosten bei Barth Galvanik in Oberursel explodieren, doch Gas einsparen lässt sich kaum. Die Öfen müssen 24 Stunden laufen. reichwein © Reichwein, Jochen

HOchtaunus Betriebe ächzen unter Gaspreisen und versuchen, Energie zu sparen

Jedes fünfte Unternehmen ist laut Industrie- und Handelskammer direkt von den Auswirkungen des Krieges betroffen; weitere 42 Prozent sind es indirekt, durch steigende Preise, Transportprobleme oder Lieferengpässe. Bei den Folgen dominieren mit Abstand die Energiekosten. Das Problem hat sich in den vergangenen Wochen, in denen sich das Vertrauen auf Gaslieferungen mehr und mehr zum "Russischen Roulette" entwickelt hat, weiter verschärft. Die Höhe der diese Woche von der Bundesregierung kommunizierten Gasumlage hat auch im heimischen Gewerbe nicht gerade zur Beruhigung beigetragen.

Ein Betrieb, der davon besonders betroffen ist, ist Barth Galvanik in Oberursel. Geschäftsführer Peter Dietz gibt sich relativ gelassen, das aber auch nur, weil er es ohnehin nicht ändern kann, und: "Die Umlage kommt ja erst im Oktober ..." In der Galvanik lasse sich kaum Gas einsparen, sagt er, "unsere Öfen laufen 24 Stunden, Drosseln geht da nicht, die müssen auf Temperatur gehalten werden, alles andere wäre noch teurer".

Sorge vor der nächsten Gasrechnung

Dietz nennt schockierende Zahlen: "Normalerweise haben wir monatlich Energiekosten von 170 000 bis 190 000 Euro, jetzt sind es 650 000 bis 690 000 Euro." Barth Galvanik sei zu 70 Prozent automobillastig, "ohne Schrauben, Bolzen und Verbindungselemente aus Oberursel würde jedes Auto auseinanderfallen", sagt Dietz. "98 Prozent unserer Kunden sind verständnisvoll." Damit es keine bösen Überraschungen gebe, informiere man die Partner monatlich über die Höhe des demnächst fälligen Energiezuschlags. Zu den besonders "gaslastigen" Unternehmen im Hochtaunus gehört auch Rolls-Royce in Oberursel, wo High-Tech-Komponenten für Triebwerksprogramme hergestellt werden.

Der Standort ist Instandhaltungs- und Wartungszentrum für Kleingasturbinen. Firmensprecher Stefan Wriege sagt: "Wir nutzen Gas im Niedertemperaturbereich zum Heizen unserer Gebäude, im Hochtemperaturbereich in der Produktion." Rolls-Royce schaue, "wo sich weiteres Einsparpotenzial ergibt und wie wir im Einklang mit der Arbeitsstättenverordnung Verbräuche senken können". Raumtemperaturen könnten gesenkt, Gebäude, in denen man die Temperatur weiter reduzieren kann, geschlossen werden. "Für den Notfall gibt es Alternativen, die mit Öl oder Elektrizität betrieben werden."

Beim Schmittener Traditions-Betrieb Wilhelm Ungeheuer Söhne ist man ebenfalls in Sorge. Das Unternehmen stellt Sicherheitsdachhaken, Metalldachplatten, Schneefang-Systeme, Rohrschellen, Sprinklerschellen und Montagekonsolen her.

IST IN DER GASTRONOMIE BALD DER OFEN AUS?

In vielen Restaurants im Hochtaunus wird noch auf Gas gekocht. "Etwa die Hälfte unserer Betriebe kocht noch auf Gas: Die Hitze kann exakt dosiert werden und es verpufft auch keine Restwärme", sagt Thomas Studanski, Vorsitzender der Taunus-Wirtevereinigung Dehoga.

Ist dort womöglich bald der Ofen aus? Davon geht er nicht aus. Nun in aller Eile auf "Induk" umzurüsten sei teuer und brauche Zeit. Induktionsherde verbrauchen auch viel Strom.

Von den explodierenden Gaspreisen ist Studanski mit seiner Gasthausbrauerei auch selbst betroffen. Viele Kollegen versuchen, den Gasverbrauch zu drosseln, etwa indem vermehrt mit den strombetriebenen Kombidämpfern gearbeitet wird. as

"Wir haben einen hohen Gasverbrauch durch die Feuerverzinkung, aber auch bei der Beheizung von Wohnräumen", sagt Geschäftsführer Andreas Schmidt. "Sollten wir künftig nicht mit ausreichend Gas versorgt werden, müssten wir die Produktion der Verzinkung einstellen." Das Unternehmen hat durch die Erhöhung seiner Bestände jedoch Vorsorge getroffen. Wie sich die Gasumlage konkret auswirken wird, wisse man noch nicht.

Schmidt geht trotzdem bereits jetzt davon aus, "dass sich die Preise für unsere Produkte durch die Verteuerung der Energie erhöhen werden". An den Kunden sei es dann zu entscheiden, "ob sie die Produkte dann noch kaufen können".

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