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Mitarbeiter verteilen Wartenummern an die Menschen auf dem Gehweg am Corona-Testcenter des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Frankfurt. 

Coronavirus

Das große Warten auf das Testergebnis

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Patienten, die negativ auf Corona getestet worden sind, erhalten keine oder eine späte Mitteilung, weil die Kommunikation zwischen Testcentern und Gesundheitsämtern unrund läuft.

Wer ist dafür zuständig, Patienten darüber zu informieren, dass sie negativ auf Corona getestet wurden? Um diese Frage ist in den vergangenen Tagen ein Streit entbrannt. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hatte sich auf die Gesundheitsämter in Stadt und Kreis Offenbach eingeschossen, wo untersuchte Personen „zehn Tage und mehr“ auf ihr negatives Testergebnis warten mussten. Die dortigen Gesundheitsämter sahen sich aber weder in der Verantwortung noch hatten sie die notwendigen Kapazitäten. Beim Frankfurter Gesundheitsamt war die Situation noch extremer: Dort erhielten laut Kirsten Gerstner, Referentin im Gesundheitsdezernat, bisher nur Infizierte Rückmeldung. Je nach Auslastung des Labors dauert das bis zu drei Tage.

Udo Götsch, Sachgebietsleiter Infektiologie beim Gesundheitsamt Frankfurt, erklärte am gestrigen Montag auf FR-Anfrage, wie vertrackt die Situation für seine Behörde ist. Die Testcenter der KV, die den Patienten die Rachenabstriche nehmen, würden die Krankenkassenkarten der Versicherten einlesen. Darauf sei aber keine Telefonnummer hinterlegt. Die Labore, die die Abstriche auswerten, sendeten ihre Befunde an die Gesundheitsämter. „Bis vor zehn Tagen haben wir hier im Frankfurter Gesundheitsamt von den Laboren täglich 400 Seiten zugeschickt bekommen“, sagt Götsch. Jetzt gebe es immerhin schon Excel-Tabellen mit Sortiermöglichkeit – aber immer noch ohne Telefonnummern. Die mussten vom Gesundheitsamt mühsam ermittelt werden, und da hätten Infizierten natürlich Priorität. Einige Patienten hätten auch selbst bei der Behörde nach ihrem Testergebnis nachgefragt, aber auch dann sei es mühsam gewesen, die Namen mit den Zetteln abzugleichen, „Wir haben das schon x-mal bei der KV angesprochen, aber es hat sich nichts verändert“, sagte Götsch.

Harsche Worte von der KV

Am Freitag war es zwischen der KV Hessen und den Gesundheitsämtern in Stadt und Kreis Offenbach zur offenen Auseinandersetzung gekommen, nachdem der Kreis Offenbach tags zuvor verlautbart hatte, das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach sei nicht für die Übermittlung der Testergebnisse zuständig. Die Vorstände der KV Hessen sprachen in einer Pressemitteilung von einem „Komplettversagen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in und um Offenbach“. Auslöser sei die „Weigerung“ der dortigen Gesundheitsämter, Patientinnen und Patienten über Testergebnisse ohne Nachweis auf das Coronavirus zu informieren. Landrat Oliver Quilling (CDU) und Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sollten „den Öffentlichen Gesundheitsdienst der Region zur Räson bringen“. Die Aufgabe, über Ergebnisse zu informieren, hätten eindeutig die Ämter.

In Stadt und Kreis Offenbach sei der Zeitraum bis zur Übermittlung der Testergebnisse „besonders auffällig“ gewesen, erklärte KV-Pressesprecher Karl Matthias Roth den Ärger. Beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst würden sich unter der Telefonnummer 116 117 immer wieder Bürger melden, die das Testergebnis wissen wollen. Dafür sei die Telefonnummer aber nicht da. Aktuell laufe unter dieser Nummer ein Screening nach Kriterien des Robert-Koch-Instituts, so Roth. Der Anrufer bekomme standardisierte Fragen gestellt um herauszubekommen, ob er sich einem Corona-Test unterziehen sollte.

Mittlerweile ist der Streit beigelegt, die Parteien haben sich ausgesprochen und veröffentlichten gestern Abend eine gemeinsame Pressemeldung. In der Anlaufphase habe es zwischen den beteiligten Organisationseinheiten „Kommunikationsprobleme“ gegeben. Diese Anlaufschwierigkeiten seien behoben worden, die Übermittlung der Kontaktdaten funktioniere jetzt. Die KV entwickle „eine systematischere Befundübermittlung“ an die Gesundheitsämter. Sowohl Kreis als auch Stadt Offenbach hätten am Wochenende 80 Prozent der Getesteten über ihr Ergebnis informieren können. Zusätzlich seien beim Kreis mehr als 450 Personen in der Überwachung und würden täglich angerufen, so Landrat Quilling.

Die Gesundheitsämter sind jedenfalls, so ist es der Pressemitteilung zu entnehmen, für die Information über die Testergebnisse zuständig. Stadt und Kreis Offenbach haben ihre Unterstützung für den Aufbau eines weiteren Testzentrums in Offenbach angeboten. Insgesamt leben dort rund 450 000 Bürger.

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