Main-Kinzig/Wetterau

So groß wie fünf Fußballfelder

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Das zweite Großlager entsteht auf dem umstritten Gewerbegebiet „Limes“. Als Initialzündung für das Interkommunale Areal gilt der A45-Anschluss  „Hammersbach“. Dort stoßen die Gemarkungsgrenzen von Hammersbach (Main-Kinzig), Büdingen und Limeshain (beide Wetteraukreis) auf einander.

Die Logistikbranche an der Autobahn 45 bekommt Zuwachs. Auf dem bis zu 50 Hektar anwachsenden interkommunalen Gewerbegebiet „Limes“ ist der zweite Bauabschnitt begonnen worden, teilt die in Bensheim ansässige Dietz AG mit, die weitgehend die gesamte Fläche mit 160 000 Quadratmeter für Logistik entwickeln wird. Bislang ist ein 40 000 Quadratmeter großes Gebäude erstellt worden, das an die französische ID Logistics vermietet ist, die laut Dietz Konsumgüter für den Versandhandel umschlägt. Wer die zweite Halle in gleicher Größe bezieht, darüber macht der Investor nur vage Angaben. „Für die Nutzung der immobile am Mitte 2020 stehen wir bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem namhaften Unternehmen“, sagt Vorstandschef Wolfgang Dietz auf Anfrage. Vor Wochen kam die Mutmaßung auf, der US-Versender Amazon wolle sich einmieten.

Kein Gerücht ist hingegen, dass die Dietz AG mittlerweile zum Limes-Projekt den britischen Logistikimmobilieninvestor Tritax Eurobox als Teilhaber an Bord genommen hat. Laut Dietz löse Tritax eine lokale Sparkasse ab, dem Vernehmen nach die Sparkasse Hanau. Laut Immobilien Zeitung hat der Deal 50,6 Millionen Euro gekostet.

„Für uns ändert sich nichts“, sagt Michael Göllner (SPD), Bürgermeister von Hammersbach und Vorsitzender des Zweckverbands „Limes“, dem auch Büdingen und Limeshain angehören. Es sei ein normaler Vorgang, dass nach Abschluss eines Projektes ein Teilhaber in die Durchführungsgesellschaft geholt werde. „Es sind nur Firmenanteile verkauft worden, aber nicht das Grundstück“, sagt Göllner. Dietz bleibe Gesellschafter, teilen die Bensheimer mit. Das Unternehmen fungiere weiterhin als Verwalter und Ansprechpartner für Zweckverband und Behörden. Man werde selbstverständlich auch alle weiteren Zusagen erfüllen, heißt es.

Offener Brief an die Politik

Der Bau des Gewerbegebiets ist umstritten. Die Bürgerinitiative Schatzboden aus Limeshain hat an die Politiker der beteiligten Kommunen einen offenen Brief geschickt. Mitunterzeichner waren etwa BUND, Nabu und der regionale Bauernverband.

Mit dem Gewerbegelände verschwinden 50 Hektar Ackerland. Zunächst sollten nur 24 Hektar bebaut werden, weil die Regionalplanung die vom Zweckverband eingereichte Fläche von 50 Hektar als über den Bedarf abwies. Mittlerweile besteht Bedarf für mehr Logistikfläche, damit gilt für den Zweckverband das alte Ziel.

Die Bürgerinitiative kritisiert den enormen Flächenverbrauch und die Veränderung im Landschaftsbild. Sie wirft der Politik und der Dietz AG fehlenden Willen zur Transparenz und zur Bürgerbeteiligung vor. So erklärt die Dietz AG alle Illustrationen von der zweiten Halle als veraltet, neue werden jedoch nicht gezeigt. Mitsprache fordert die BI nun bei der Erweiterung auf die Obergrenze von 50 Hektar. Laut Bürgermeister Göllner werde mit der Ausweitung keine 680 Meter lange Halle entstehen, wie behauptet wird. Dies sei wegen des Höhenunterschieds von 50 Metern auf dem Areal nicht möglich, überdies bestehe Nachfrage bei kleineren Lagern. Die Dietz AG relativiert den von den Gegnern angeführten Flächenverbrauch. Die 50 Hektar entsprächen 0,3 Prozent der Gesamtfläche der Zweckverbandskommunen und etwas weniger als das Ackerland eines durchschnittlichen deutschen Bauern, heißt es.

Kommentar der FR zum Thema

Was doch so ein Autobahnanschluss alles bewirkt. Er sorgt für eine schnelle Verbindung etwa nach Frankfurt, er bringt im Fall Gewerbegebiet „Limes“ neue Arbeitsplätze, wenn auch bekanntlich einer nicht gut entlohnenden Branche und für drei Kommunen mutmaßlich mehr Wohlstand. Vor 50, 60 Jahren wäre das ein einhelliger Grund zur Freude gewesen. Die Zeiten haben sich geändert. Mit „Limes“ wird etwa der enorme Lastwagenverkehr auf der A45 weiter steigen. Die Autobahn ist zu einer Verteilerschiene der Logistiker geworden. Aber auch Ortsdurchfahrten werden belastet, um wie viel kann derzeit keiner sagen.

Und dann das heikle Thema Flächenverbrauch. Bei „Limes“ oder wie das Rewe-Lager bei Wölfersheim erhält man den Eindruck, die Verantwortlichen sagen sich trotz Klimawandel und Landschaftsschutz: das geht noch. „Limes“ benötigt nur 0,3 Prozent der Fläche der drei Zweckverbandmitglieder, „Limes“ ist sogar etwas kleiner ein typischer deutscher Bauernhof, argumentiert die Dietz AG. Die Landschaftsverschandelung, Umweltbelastung durch Gebäude und Verkehr liegen jedoch weit über 0,3 Prozent oder der eines Ackers. Für die weiteren Bauten gibt die Dietz AG (derzeit) keine Visualisierungen mehr heraus. Gleiches tut übrigens auch Rewe. Das lässt einmal mehr nichts Gutes ahnen.

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