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Klimaneutrales Wohnen: Ein Effizienzhaus Plus im Frankfurter Stadtteil Riedberg. 

Hessen

Größte Wohnungsbaugesellschaft in Hessen wird klimaneutral

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    Christoph Manus
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Die Nassauische Heimstätte verpflichtet sich, bis 2050 klimaneutrale Wohnungen bieten. Die schwarz-grüne Landesregierung sieht darin ein bundesweites Vorbild.

Die größte hessische Wohnungsbaugesellschaft will ihren kompletten Bestand klimafreundlich umbauen. Mit Hilfe von Wärmedämmung, Passivhausbauweise und dem Ausbau erneuerbarer Energien will es die Nassauische Heimstätte (NH) schaffen, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein.

Das gaben die Geschäftsführer des Unternehmens am Dienstag in Wiesbaden gemeinsam mit Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz (beide Grüne) bekannt, wo sie eine Zielvereinbarung unterzeichneten. Man sei mit dem Vorhaben bundesweit Vorreiter, verkündete Hinz.

Es geht um 60 000 Wohnungen, die der NH bereits gehören, und um 15 000 weitere, die sie in den kommenden Jahren bauen oder kaufen will. Die meisten betroffenen Häuser stammen aus den 50er und 60er Jahren.

Durch die Pläne ließen sich in den nächsten 30 Jahren rund 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen, gab Hinz bekannt. Das entspreche der Hälfte der Menge, die der Frankfurter Stadtwald in dieser Zeit binden könne. Der Leitende Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte, Thomas Hain, sagte, rückblickend werde die Unterzeichnung der Zielvereinbarung „der wichtigste Tag in unserer Unternehmensstrategie“ sein.

Die Mieten könnten steigen 

Mieterinnen und Mieter sollen durch die Sanierung nicht übermäßig belastet werden. Zwar sei eine Anhebung der Miete um zwei Euro pro Quadratmeter möglich, erläuterte Hain, man werde aber auf die Struktur der Mieterschaft Rücksicht nehmen. Außerdem könnte sie nach einer Sanierung erheblich an Heizkosten sparen.

Im nächsten Jahr könne die klimafreundliche Sanierung noch mit den vorhandenen Mitteln gestemmt werden, berichtete Hain. Später würden aber Subventionen erforderlich, da es insgesamt um Kosten von 1,9 Milliarden Euro gehe.

Die Vereinbarung ist Teil des schwarz-grünen Ziels, ein klimaneutrales Hessen bis 2050 zu erreichen. Der hessische Grünen-Parteitag hatte gefordert, dieses Ziel bereits für 2035 anzustreben. Ministerin Hinz sagte, man wolle „spätestens“ 2050 am Ziel sein. Ein früheres Datum sei nur erreichbar, „wenn wir verbesserte Rahmenbedingungen bekommen auf der Bundesebene und der europäischen Ebene“. Daher setze Hessen darauf, dass das Klimakabinett der Bundesregierung am Freitag Entscheidungen trifft, „die wirken, und zwar schnell“, wie Al-Wazir formulierte.

Regierung und Nassauische Heimstätte wollen dafür werben, dass andere Wohnungsbaugesellschaften dem Beispiel der NH folgen. Die Frankfurter städtische Wohnungsgesellschaft ABG baut seit etwa 20 Jahren ausschließlich Passivhäuser und Häuser, die sogar mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Den eigenen Bestand von etwa 53 000 Wohnungen bis 2050 so zu erneuern, dass dieser klimaneutral wäre, hält Geschäftsführer Frank Junker aber für eine Herausforderung, die ohne große zusätzliche finanzielle Mittel nicht zu stemmen sei. Schließlich müsse man dann alles dämmen und die Heizungen auf regenerative Energien umstellen.

Die ABG werde sich genau anschauen, wie die Nassauische Heimstätte dieses Ziel erreichen will, sagte Junker der FR am Dienstag. „Ich würde gerne mal eine Modellrechnung sehen, wie das gehen soll.“

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