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Grenzüberschreitende Verbrecherjagd

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Von: Peter Hanack

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Beim Klett-Verlag ist jetzt ein schmales Heftchen mit vier Kriminalgeschichten erschienen.
Beim Klett-Verlag ist jetzt ein schmales Heftchen mit vier Kriminalgeschichten erschienen. © Imago

Deutsche und französische Schüler schreiben gemeinsam vier Kriminalgeschichten, die beim Klett-Verlag erschienen sind.

Beim Klett-Verlag ist jetzt ein schmales Heftchen mit vier Kriminalgeschichten erschienen. Das Besondere daran: Aufgeschrieben und sich ausgedacht haben die Krimis Schülerinnen und Schüler von acht Schulen, deutschen und französischen. Mit dabei das Lycée francais Victor Hugo aus Frankfurt.

Die französische Schule mit ihren gut 1000 Schülerinnen und Schülern ist am Rande des Frankfurter Stadtteils Rödelheim gelegen. Camille Feyt-Fukurek unterrichtet dort seit fünf Jahren. Mit ihrer Klasse hat sich die junge Französin im vergangenen Schuljahr an dem grenzübergreifenden Projekt beteiligt.

„Natürlich waren wir nicht dazu in der Lage, ein ganzes Buch auf Deutsch zu schreiben, dafür können hier einfach nicht alle gut genug Deutsch“, berichtet Feyt-Fukurek. Deshalb entstanden größere Teile der Geschichte auf Französisch. Gearbeitet haben die Schülerinnen und Schüler in Gruppen, je nach ihren sprachlichen Fähigkeiten, unterteilt in Anfänger und Fortgeschrittene.

Chloe, 14, hat einen Teil der Dialoge für „Der letzte Gast an Bord“ geschrieben, auf Deutsch. „Das war nicht einfach, aber gut für meine Sprachkenntnisse“, sagt sie. Auch wenn sie selber lieber Fantasy-Romane liest, findet sie den selbstgeschriebenen Krimi auf jeden Fall spannend. „Und natürlich ist es cool, ein echtes Buch zu schreiben und nicht nur einen Text für den Unterricht“, berichtet Chloe.

Unterstützt wurden die damals 12- und 13-Jährigen von dem deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren Julian Press. Dem war die Frankfurter Geschichte eigentlich ein bisschen zu krass. In den Klett-Sammelband aufgenommen wurde sie natürlich trotzdem. Produziert wurde größtenteils im Deutschunterricht und während eines viertägigen Treffens der beteiligten Schulen in Leipzig.

Mathilde, 13, wie Chloe ein Fan von romantischen Fantasy-Geschichten, erinnert sich gern auf den Aufenthalt in Leipzig. Das deutsch-französische Buchprojekt war immerhin so interessant, dass sogar der französische Konsul die Teilnehmer besucht hatte. Auch länger andauernde Freundschaften hat der kleine Schüleraustausch gestiftet. Thomas, 14, der auch privat gerne mal Krimis liest, schreibt sich noch immer gelegentliche Kurznachrichten mit dem Mädchen, in dessen Familie er zu Gast war.

So international wie die Autorenschaft sind auch die Krimis selbst. Wer alles verstehen möchte, sollte zumindest jemanden kennen, der des Französischen mächtig ist. Denn Deutsch und Französisch wechseln sich in allen Geschichten ab – je nachdem, wo die Verbrecher oder ihre Verfolger gerade unterwegs sind.

Koordiniert wurde die Arbeit über ein eigens eingerichtetes Internetportal. „Das Buch ist ein gutes Beispiel für den Einsatz von digitalen Lernmethoden im Französisch- und Deutschunterricht“, sagt Christa Weck vom Ernst Klett Verlag. Es sei gelungen, die Schulen miteinander zu vernetzen.

Die zweisprachige Lektüre ist kostenlos als Download unter krimi.laclasse.com erhältlich. Die gedruckte Version eignet sich gut als Unterrichtslektüre. Am Donnerstag, 12. Oktober, werden es die Autoren um 12.30 Uhr im französischen Pavillon auf der Buchmesse vorstellen.

Interpol Lyon–Leipzig, Vier Kriminalgeschichten, Ernst Klett Verlag, Stuttgart 2017.

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